Fantasy Life

  • Plattform: Nintendo 3DS
  • Release: 27.12.12 (J), 24.10.14 (US), 26.09.14 (EU)

Eine Weile hat es gedauert bis die Zusammenarbeit von Level 5 und Brownie Brown, denen sich noch einige andere bekannte Namen anschließen sollten, wirklich auf dem japanischen Markt aufschlug. Denn nach der ersten Ankündigung für den DS wurde es erstaunlich ruhig ums Spiel, bis Fantasy Life dann tatsächlich auf dem 3DS erschien. Im Westen durfte noch fast 2 zusätzliche Jahre auf ein Release gewartet werden, dafür gab es allerdings die aufgemotzte Version mit Multiplayer.

Wir leben in einer beschaulichen kleinen Welt, und mit wir ist ein selbst zu erstellender und benennender Charakter gemeint. In bester MMORPG-Manier werden also Visage und Frisur zusammengewürfelt, das Ergebnis xxxSephirothKingdomHearts4evaxxx oder ähnlich benannt, und dann eine Klasse ausgesucht, hier hübsch „Leben“ genannt, weil „Beruf“ zu 08/15 ist. Und dann geht es zum König, wie sich das in einem RPG-Beginn gehört, der uns gratuliert, denn immer weniger Bewohner nehmen sich noch Leben an, es scheint der Bevölkerung ein wenig an Ambition zu fehlen.

Ein sprechender Schmetterling fliegt xxxSoralovesRikuxxx auch über den Weg, der wie von einem anderen Stern scheint und sich ihr einfach mal aufs Auge drückt bei ihren Abenteuern im neuen Lebensweg. Etwas ominöser ist da schon, dass auf dem Mond ein großes X aufgetaucht ist und dunkle Steine vom Himmel fallen, welche die Fauna zu aggressiven Monstern machen.

In Fantasy Life geht es tatsächlich mehr um das fantastische Leben, sprich die diversen ausführbaren Berufe, denn um die Haupthandlung. Jene ist ganz charmant und niedlich, erinnert an ein sympathische Kindermärchen… ist aber auch genauso oberflächlich. Die Hauptmissionen des Spieles beinhalten nicht einen echten Bosskampf, sondern bestehen eigentlich nur am Durchklicken der diversen Textboxen und dem Laufen zu einem neuen NPC für mehr Textboxen. Storymissionen sind also wirklich nur dazu da die Story zu erzählen, nicht wirklich viel Spielerisches einzubinden. Und die Handlung ist eben, wenn auch niedlich und mit schrägen Charakteren bestückt, absolut vorhersehbar und einfach letztendlich ein wenig unspektakulär, zudem in weniger als einem dutzend Spielstunden zu erledigen, wenn man sich nur darauf konzentrieren würde.

Es geht also um die Berufe bzw. Leben. Davon gibt es diverse, auch diverser Klassifikationen. Denn nicht nur stehen die üblichen Kämpfernaturen wie Paladin und Söldner, bzw. magische Recken wie der Zauberer zur Verfügung, sondern auch gar nicht aufs Gegner verkloppen ausgelegte Dinge wie der Angler, der Koch, oder diverse Gegenstände herstellende Schreiner und Schmiede, die ihnen Rohstoffe sammelnden Holzfäller und Minenarbeiter. Sobald der Prolog überstanden ist, lässt Fantasy Life den geneigten Spieler Querbeet zwischen ihnen hin und her wechseln, je nachdem, worauf man gerade Laune hat. Und gut ergänzen tun sie sich da teilweise auch. Wer beispielsweise als Paladin durch die Gegend schnetzelt, der kann sich als Schmied selbst die Rüstung herstellen, statt auf die Läden angewiesen zu sein. Und auch dessen benötigte Materialien können wie gesagt selbst gefällt und geschürft werden. Dankenswerterweise kann dies auch erledigt werden, wenn man in einem anderen Beruf ist, solange der Grundlegende schon freigeschaltet ist. Es muss also nicht als vergleichsweise schwacher Holzfäller durch die Monstergebiete gepilgert werden, nur um ein paar Bäume zu fällen – solange der Beruf an sich schon erlernt wurde, darf xxxWhinyHopeXIIIxxx das auch nach dem Wechsel zurück zum Paladin.

Nur um sich die Belohnungen fürs Erfüllen der Aufgaben beim Meister abzuholen oder Dinge herzustellen, muss wieder in den eigentlichen Beruf zurück. Denn Leben sind unabhängig vom generellen Charakterlevel, werden aufgebessert, in dem diverse Meilensteine, die der Meister des Berufs einem auferlegt, bestanden werden. Die sind entsprechend an den Archetyp des Berufs gebunden. Als Paladin müssen schon mal „X von Monster Y“ oder „Besonderes Monster Z“ umgebracht, als Holzfäller dann schon eher „X von Baumsorte Y gefällt“ und als Schreiner „Gegenstand Z gewerkelt“ werden. Ist also vergleichsweise organisch das Aufstufen der Leben. Nebenbei gibt es natürlich unabhängige Quests von NPCs, die ebenfalls die MMO-typsichen „Bring mir X“ und „Erlege Y“ beherbergen, oder einfach nur eine Tour rund durch die Hotspots der Welt sind, wie das bei den Schmetterlingsaufträgen der Fall wäre.

Sonderlich anspruchsvoll ist das Gameplay dabei nicht unbedingt. Das Sammeln von Rohstoffen ist komplett vom Rang abhängig, ob man bereits stark genug dafür ist, oder nicht. Herstellen von Gegenständen besteht aus QTEs, sprich schnell genug Tasten hämmern, was aber ab einem gewissen Punkt abstellbar ist. Und die Gegner lassen sich in Echtzeit mit einigen Hieben verkloppen, wobei hier per Tastenkombinationen drei oder vier Skills zur Verfügung stehen, statt nur stupide Hämmern zu müssen. Und immerhin, wer doch eine Herausforderung sucht, für den gibt es bestimmte Mobs in den Gebieten, die wesentlich stärker als die restlichen Gegner sind, und die sogar einlösbare Trophäen hinterlassen. Die sind so ziemlich das einzig etwas benutzerunfreundliche Ding im Spiel, es kann nämlich immer nur eine auf einmal zurückgekarrt werden, statt mehrere gleichzeitig einlösen zu dürfen.

Fantasy Life spielt sich also tatsächlich sehr wie die Offline-Version eines MMORPGs, denn für die Handlung sollte man hier nicht antreten, stattdessen hängt der Genuss stark davon ab, wie sehr es einem einfach gefällt die Welt zu bereisen, diverse Nebenaufgaben zu erfüllen, und die Monster zu verkloppen, und das Weitestgehend zum Selbstzweck. Es können sogar bis zu zwei Gefährten ins Team, sowohl NPCs oder gekaufte Haustiere, wie auch reale Spieler.

Ausschauen tut Fantasy Life prima, in einem sehr passenden bunten und einfacheren Stil, dessen Charakterdesign cartoonig ist. Leider geht die Framerate in den Kämpfen in die Knie, wenn wirklich zwei Mitstreiter dabei sind. Nobuo Uematsu hat übrigens Musik beigesteuert, und der Score des Spieles ist auch nett im Ohr, von ein paar Ausnahmen jetzt aber auch nicht super spektakulär. Zu jenen Ausnahmen gehören allerdings definitiv die spaßigen (und in Japanisch gesungenen!) Lieder für den Meisterrang in einem Leben – für jedes davon ein individuell anderes.

Fazit:
Ich fand Fantasy Life sehr sympathisch. Die Handlung mag nicht besonders sein, ist aber charmant genug umgesetzt, und sowieso nicht die Hauptattraktion. Stattdessen zwischendurch die Welt zu erkunden, neue Rüstung zu schmieden, Häuser zu kaufen und einzurichten, mir Haustiere auszusuchen, der Bevölkerung zu helfen, oder auch mal ein Monster hier und dort zu killen, dies war es, was mich hat am Spiel hängen lassen. Und wenn das zu doof wurde, na dann wird eben doch die nächste Handlungsmission gemacht, die auch meist ein neues Einsatzgebiet freischaltet, oder ein anderer Beruf ausprobiert.

8 von 10 Punkten

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