Dragon Slayer: The Legend of Heroes

  • Plattform: PC-Engine
  • Release: 25.10.91 (J), 1992 (US)

Falcoms Dragon Slayer gehörte 1984 zu den ersten japanischen RPGs, und hat schon alleine deswegen einen Kultstatus bei den Japanern weg. Die darauffolgende Serie an Spielen sticht allerdings hauptsächlich dadurch heraus, dass sie so ziemlich nichts abgesehen vom Dragon-Slayer-Titel gemein haben, und das die erfolgreicheren jenen auch ziemlich schnell aufgaben, um zu ihren eigenen Serien zu werden. Xanadu beispielsweise, oder auch The Legend of Heroes.

Das erste The Legend of Heroes, und Sechster im Bunde Dragon Slayer, kam in seiner Inkarnation auf dem PC-Engine sogar in englische Gefilde. So konnte man die Standard-Handlung auch verstehen. Die dreht sich nämlich um ein von Monstern angegriffenes Land, welches nach schweren Kämpfen endlich jene zurückschlagen konnte, dabei aber seinen König verlor. Lord Drax übernahm den Thron bis Prinz Logan mit seinem 16. Geburtstag endlich alt genug für ihn wäre. Zu Spielbeginn übernimmt der geneigte Spieler nun die Rolle von Logan, der kurz vor diesem Geburtstag steht, und es sollte wenig überraschen, dass der ziemlich schnell herausfinden muss, dass Drax die Macht gar nicht abgeben will.

Im weiteren Spielverlauf sammelt sich Logan eine Reihe an Gefährten, bereist diverse Königreiche, die von der Monsterinvasion gerettet und deren wahre Thronfolger wieder in Macht gestellt werden müssen, und am Ende wird ein fieser Chaos-Drache besiegt, der noch schnell eine Naturbotschaft mit seinen letzten Atemzügen hinhauchen darf. Die Reise in The Legend of Heroes ist wirklich ziemlicher Standard. Und von dem einen oder anderen humorigen Satz her auch nicht sonderlich interessant aufbereitet.

Im Spielerischen offenbaren sich jedoch schon einige Besonderheiten. Beispielsweise sind Gegnerkämpfe nicht zufallsgeneriert, sondern sie wandeln über die Welt und erst im Kontakt mit ihnen kommt es zur Auseinandersetzung. Jedoch sind sie nur in den Dungeons jederzeit sichtbar, auf der Oberwelt braucht dies einen bestimmten Gegenstand, sonst tauchen sie auch hier scheinbar aus dem Nichts auf. Auch darf jeder Charakter jeden Zauber lernen, die schlichtweg eingekauft werden, aber durch die beschränkte Anzahl an Slots übersichtlich gehalten werden. Natürlich ist nicht jeder von seinen Statuswerten her gleich gut im Zaubern, aber jeder kann theoretisch alles lernen.

Und dann wäre da ein überraschend benutzerfreundlich einzustellendes Menü. Neben großen Dingen, wie jederzeit speichern zu können, gibt es selbst Kleinigkeiten, wie einfach zu wählen ob die EXP-Anzeige die gesamt gesammelten, oder die zum nächsten Level up benötigten anzeigen soll. Selbst die Kämpfe können (teil-)automatisiert werden, in dem eingestellt wird, ob nur das Heilen, nur das Kämpfen, oder beides vom Spiel übernommen werden soll. Ob dies für einen oder alle Charaktere gilt. Das ist ganz besonders praktisch bei Kanonenfutter-Gegnern in dem von Begegnungen nur so übervollen Spiel, bei dem auch schon mal zusätzlich die eine oder andere Level-up-Runde eingelegt werden muss. Sicherlich – besonders in Anbetracht deren Häufigkeit – auch ganz niedlich ist, dass in einem am Ende eines der Kapitel befreiten Landstrich anschließend auch gar keine Monster mehr auftauchen, ähnlich dem Ende der Dragon Quests.

The Legend of Heroes ist eigentlich ein sehr flottes Spiel, gerade im Auto-Battle sind die einfacheren Gegnerkämpfe schnell rum, und die Kapitelunterteilung bringt auch die Etappen der Handlung schnell voran, so dass das Spiel locker in 12-15 Stunden zu schaffen ist. Anfühlen tut es sich aber leider wesentlich länger. Eben dadurch, dass es doch etwas zu oldschool ist. Wie gesagt ist das Gegneraufkommen jenseits von Gut und Böse. Zusätzlich steigt deren Schwierigkeit auch zwischen zwei Regionen gern mal sprunghaft an. Dann ist das Inventar noch stark begrenzt und die Dungeons brauchen Fackeln, um erleuchtet zu sein. Dazu kommen gegen Ende noch ein paar nervige Trick-Bosse. Und auch so ist allgemein das Kämpfen und die Erkundung im Spiel weder besonders interessant noch besonders unterhaltsam.

Mit dem Medium CD auf dem PC-Engine kommt natürlich viel Speicherplatz daher. Das sieht man eher weniger grafisch, wo es lediglich ein Standbild-Opening und -Ending gibt, dazwischen das Spiel aber durchschnittliche 16-bit-Grafik bietet, und mehr vom Sound. Die überraschend rockig ausfallende Musik kommt sehr klar daher, und selbst Sprachausgabe hat das Spiel zu bieten. Das war 1992 sicherlich ziemlich spektakulär, während man heutzutage eher das mäßige Können und die schrecklichen Akzente der Sprecher verurteilt.

Fazit:
Dragon Slayer: The Legend of Heroes ist kein Totalausfall, so weit würde sicherlich keiner gehen, aber das erste Spiel in der mittlerweile profitabelsten Reihe Falcoms ist einfach etwas zu langweilig und unspektakulär, um es heutzutage noch aus dem Meer an oldschool RPGs gezielt fischen zu wollen.

5 von 10 Punkten

Werbeanzeigen