Drill Dozer

  • Plattform: GameBoy Advance
  • Release: 22.09.05 (J), 06.02.06 (US)

Game Freak haben immer so ein wenig das Problem, dass sich keine Sau für ihre Spiele interessiert wenn nicht Pokemon drauf steht. So leider auch geschehen mit Drill Dozer, einem feinen kleinen Jump ’n Run auf dem GameBoy Advance, welches leider ziemlich untergegangen ist.

Das Rosa-haarige Mädchen Jill ist die Tochter des Bosses der Red Dozer Diebesbande. Deren größter Schatz ist ein gigantischer roter Diamant, welcher der Nachlass von Jills Mutter ist. Bis dann die befeindete Bande der Skullers das Ding klaut und Jills Vater verletzt, so das der das Bett hüten muss. Also springt die resolute Kleine kurzerhand einfach selbst in den mit einem Bohrer ausgestatteten Mech und drillt sich einen Weg ihn zurückzuerobern.

Was Drill Dozer dabei en masse hat, ist Charme und Witz. Besonders hervorheben will ich hier Jill selbst, die ein stummer Protagonist ist, an deren vielen kleinen Animationen man aber immer genau absehen kann, was die toughe Kleine gerade von der Situation hält. Es ist unglaublich unterhaltsam ihr zuzusehen. Da ist es sogar fast etwas schade, dass die anderen Charaktere überhaupt sprechen, statt aus Drill Dozer ein Pantomimentheater zu machen, welches seine komplette simple Handlung nur über Animationen und Charakterreaktionen befördert. Dann gäbe es auch nicht die unfeinen Expositionsfluten von Charakteren, die anderen Charakteren, die all dies schon wissen müssten, aus dem Nichts Zeug erklären, damit es der Spieler auch weiß. Metal Gear? Metal Gear!!

Das von der Stundenzahl überschaubare Spiel kommt wie erwähnt in Form eines Jump ’n Runs daher, alles in Seitenansicht präsentiert. Jill kann in ihrem Dozer theoretisch springen, bekommt dort aber nie sonderlich viel Momentum oder Höhe geschafft. Wesentlich wichtiger ist der angebrachte Drill, mit dem nicht nur Gegner und Wegblockaden zerstört werden, sondern mit dem sich Jill tatsächlich auch in gewisse Punkte der Level hineinbohren kann, um dann schnell den Rückwärtsgang einzulegen, und so vom Rückstoß über wesentlich größere Lücken geschleudert zu werden, als sie eigentlich mit simplem Springen überbrücken könnte.

Die knapp 10 Stages bringen dabei natürlich schon nach und nach für die Abwechslung neue Sachen auf den Plan. Zunächst müssen beispielsweise nur bei den diversen Bossen die Schwachpunkte ausgenutzt werden, später haben aber auch normale Gegner jene. Es gibt Blöcke, die nur für eine gewisse Zeit aktiv bleiben, richtigen Drillmoment für Tunnel einzusetzen, oder Kanonen, die den Bohrer kurzzeitig unnütz machen. Zudem hat jedes Level drei Zahnräder zu finden, die den Drill aufbessern, beim letzten kann beispielsweise ganz ohne Abkühlrate durchgängig gebohrt werden. All das hält das Spiel definitiv frisch, und wie gesagt ist es ja auch nicht sonderlich lang. Weniger Spaß hingegen macht das Unterwasser- und das Fluglevel mit ihrer schwer steuerbaren Physik, sowie die One-Hit-Kill-Passagen. Immerhin erschweren sie das Spiel nicht unnötig, Jill hat viel Lebensleiste, kann mehr hinzukaufen, und zumindest die OHK-Segmente resetten nur zum Beginn statt ein Game Over zu präsentieren.

Vom Design her ist das Spiel herzallerliebst und kunterbunt, erinnert ein wenig an Serien wie Yatterman und Co. Die tollen Animationen erwähnte ich ja bereits. Auch echt rockig ist die Musik, die einen richtig Bock aufs Bohren macht, mal von der Melodie abgesehen, wenn der Drill mit allen Zahnrädern bestückt ist.

Fazit:
Drill Dozer mag ein paar weniger motivierende Einfälle auf die finalen Stages hin bieten, aber im Groben haben wir es hier wirklich mit einem super süßen, ziemlich launigen, und angenehm kurzen Abenteuer zu tun, welches wirklich zu Recht als übersehener Edelstein der GameBoy Advance Bibliothek gehandelt wird.

8 von 10 Punkten

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