Devil Summoner: Raidou Kuzunoha vs. The Soulless Army

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 02.03.06 (J), 10.10.06 (US), 27.04.07 (EU)

Wenn es eine tolle Sache für RPGler in der PS2-Ära gab, dann dass so viele Spiele des Genres wie noch nie lokalisiert wurden, und der Tisch somit immer gut gedeckt war. Sogar alle MegaTens schafften es über den Teich, und fast alle bis nach Europa, darunter auch das dritte Devil Summoner, außerhalb Japans noch Titel-verlängert als Shin Megami Tensei: Devil Summoner – Kuzunoha Raidou vs. The Soulless Army.

Wir befinden uns im 20. Jahr der Taisho-Ära, welche die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts darstellte, als Japan stark von der Westernisierung eingenommen wurde, Automobile, Straßenbahnen, Geschäftsanzüge etc. in der Hauptstadt auftauchten, und sich an japanischen Traditionen und Mythologien zu reiben begannen. Sozusagen die Swinging 20’s auf Japanisch, nur dass im Spiel bereits das Jahr 1931 ist, und die Taisho-Ära eigentlich beendet sein sollte.

The Soulless Army spielt also auf einer alternativen Zeitlinie, in der jene nie endete. Und benutzt das, um einen ziemlichen Irrsinns-Plot ganz in Ehren von pulpigen Groschenromanen zu zaubern. Es fängt sicherlich normal genug an, mit einem Dämonenbeschwörer und seiner zynischen sprechenden Katze, die in einer Detektei übernatürliche Fälle aufdecken, und von einem Mädchen den Auftrag bekommen, sie umzubringen, bevor sie von einer bösen Präsenz eingenommen werden kann. Alte Kamellen in der Reihe. Doch über den Spielverlauf kommen Super-Zombies hinzu, Cyborgs, Riesenroboter, Zeitreisen und sogar ein Flug ins All. The Soulless Army hat also kein Problem damit, etwas abgedreht zu sein, und macht schon ziemlich Laune, immer wissen zu wollen, was da als nächstes aus dem Hut geschüttelt wird. Da vergibt man dem Spiel schon mal das eine oder andere Kurz-Kapitel gegen Ende, welches die in Fahrt gekommene Handlung scheinbar kurzzeitig zum Erliegen bringt, um die Spielzeit zu strecken.

Das Gameplay hingegen macht vielleicht nicht ganz so viel Spaß, wie die charmanten Charaktere und die durchgedrehte Handlung. Das dritte Devil Summoner ist ein Action-RPG, in dem Raidou mit maximal einem beschworenen Dämonen auf einem separaten Kampffeld sich durch die Dämonen-Opposition schnetzelt. An sich ist das Ding ziemlich simpel und einfach, hat allerdings ein paar Ecken und Kanten in der Exekution zu bieten. Beispielsweise führen die vorgerenderten Kampfhintergründe dazu, dass sich nicht immer gut die Distanz zu den Gegnern abschätzen lässt. Dazu kommt noch, dass sich die KI des Mitstreiters nicht global einstellen lässt, sondern zu Beginn jedes einzelnen Kampfes neu umgestellt werden muss, wenn sie nicht zu liberal mit ihren MP um sich werfen sollen. Auch weniger schön ist die extrem hohe Encounter-Rate, vor der man selbst in den Straßen des normalen Tokios nicht sicher ist, oder die zwei oder drei Bosskämpfe, die enorme Spitzen im ansonsten recht angenehmen Schwierigkeitsgrad darstellen.

Wenn sich das Action-orientierte Kampfsystem auch sehr von den beiden 32bit-Vorgängern unterscheidet, inkludiert The Soulless Army sonstig aber alle bekannten Systeme. Natürlich müssen auch hier neue Dämonen gefangen werden, jedoch nicht über philosophisches Geschwafel bis hipper Zickerei, sondern schlicht indem der Gegner mit seiner Schwäche getroffen und dann über ein QTE eingefangen wird. Ist eine ganze Ecke Ressourcen-sparender, als ihnen 5000 Macca, 300 Magnite und 5 Juwelen hinzuwerfen, nur damit sie dann doch verschwinden. Die Loyalität ist ebenfalls zurück, und ebenfalls stark vereinfacht. Dämonen beim erfolgreichen Kampfabschluss dabei zu haben, levelt jene automatisch auf, und maximale Loyalität bietet diverse Nettigkeiten wie niedrigere Beschwörungskosten für den Dämonen, zudem die Möglichkeit ihn per Fusion in einen stärkeren zu wandeln, oder auf Raidous Katana zu schmieden. Jene Katana-Fusionen sind zusammen mit den bei Level Ups selbst vergebenen Statuspunkten die einzige Möglichkeiten Raidou zu verbessern, da es keine Ausrüstung im Spiel gibt.

Interessant ist definitiv auch, dass Dämonen in The Soulless Army neben ihren normalen Fähigkeiten auch Investigations-Skills aufweisen, um den NPCs auf den Straßen die Gedanken auszulesen, Feuer unter dem Hintern zu machen etc. pp., die dem Detektivspielen kreuz und quer durch Tokio hilfreich sind. Sofern natürlich die richtigen im Gepäck liegen, wobei das Spiel nett genug ist so gut wie immer in den Zufallsbegegnungen des Gebiets auch einen Vertreter zum Fangen zu stecken, der jenen Skill parat hält.

Auch Raidou Kuzunoha vs. The Soulless Army verwendet ordentlich Dämonenmodelle aus den vorigen PS2-Teilen wieder, hat zudem den kleinsten Pool an Dämonen auf der Konsole zu bieten. Macht auch Sinn, denn der Erfolg der wiederbelebten Subserie war nicht garantiert, und AAA sind die MegaTens sowieso nicht. Außerdem müssen die Dämonenmodelle hier ja auch alle für die Kämpfe animiert sein. Zudem sehen sie schon etwas aufgehübscht aus im Direktvergleich zu Nocturne und Digital Devil Saga. Während Charaktere und Dämonen übrigens 3D-Modelle sind, ist die komplette Welt aus vorgerenderten Hintergründen bestehend, eine Sache, die eher aus der vorigen Konsolengeneration bekannt ist. Das macht Tokio an sich schon sehr ansehnlich, jedoch wie erwähnt die räumliche Sicht nicht immer so gut, zumindest für die Kämpfe wäre eine volle 3D-Arena besser gewesen. Shoji Meguros Soundtrack ist natürlich über allem erhaben, und fängt mit den jazzigen Stücken – eine Stilrichtung eher wenig in JRPGs genutzt – jederzeit perfekt das Swinging 20’s Feeling des Spieles ein.

Fazit:
Devil Summoner: Kuzunoha Raidou vs. The Soulless Army hat seine Problemchen, hauptsächlich Ecken und Kanten in den Kämpfen sowie ein paar Pacing-Probleme in der Handlung. Dennoch kann ich es nicht nicht mögen, es ist einfach viel zu cool zu Meguros jazzigen Klängen mit wehendem Cape, gefolgt von einem zynischen Kätzchens und einer riesigen Krabbenspinne die Straßen Retro-Tokios entlang zu schlendern, um irrsinnige Fälle zu lösen.

7 von 10 Punkten

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