Panzer Dragoon Saga

  • Plattform: Sega Saturn
  • Release: 29.01.98 (J), 30.04.98 (US), 05.09.98 (EU)

Oh Sega der späteren 90er. Deine Entscheidungen waren schon sagen wir mal speziell. Das hat zu einigen schlechten Sachen geführt, maßgeblich miserable behandelte Plattformen, die euch aus dem Konsolen-Business befördert haben, bescherten uns aber auch einige ganz besondere Spiele. Darunter die Entscheidung aus Panzer Dragoon nach zwei Rail-Shootern einfach mal ein RPG zu machen, um den Saturn zu Grabe zu tragen.

Panzer Dragoon Saga spielt in den Grenzlanden der Welt, in denen das Imperium unermüdlich nach Relikten der früheren Zivilisation sucht, um die Monster zu bekämpfen und die Bevölkerung sicher leben zu lassen, mit dem netten Nebeneffekt alle Macht in den eigenen Händen zu halten. Edge ist bei einer solchen Ausgrabung dabei, als ein mysteriöses Mädchen entdeckt wird, ein Fund, der seinem Team prompt das Leben kostet, weil Craymen es vor dem Imperium geheim halten will. Doch praktischerweise erwacht auch ein Drache, der Edge als sein neues Herrchen auserwählt, was ihm das Fortbewegungsmittel und die kämpferische Unterstützung gibt, um Craymen nach Rache sinnend zu folgen.

Die Welt von Panzer Dragoon Saga ist eine ganz besondere, erinnert ein wenig an Dune und die später erschienenen Spiele von Team Ico, sehr von Wüstenzivilisationen inspiriert, mit einer eigenen Sprache fürs Imperium. Einfach einem Vibe und Feel, den man so eigentlich aus keinem anderen RPG kennt, höchstens Jade Cocoon noch hat. Und mit viel Lore für jene, die mehr über die antike Zivilisation, dem Aufbau des Imperiums, oder die Funktion von Drachen und Monstern herausfinden wollen. Alles optional in Schriften nachzulesen, wen es nicht interessiert, der wird also nicht unnötig aufgehalten, alle fürs Verständnis wichtigen Infos sind allerdings in der Handlung untergebracht, müssen nicht erst irgendwo im Datalog nachgelesen werden.

Allgemein ist das Spiel ein sehr narrativ fokussiertes. Die Rate an Cutscene zu Gameplay ist so hoch, dass selbst Hideo Kojima staunen würde. Jedoch wirkt es nie unausbalanciert. Während andere 32bit-Epen einem schon mal passiv vor 30 Minuten Cutscenes sitzen lassen, die sich wie 3 Stunden anfühlen, sind die Story-Szenen in Panzer Dragoon Saga immer auf den Punkt gebracht, summieren sich selten auf Minuten im zweistelligen Bereich, wiederkäuen nicht zehn Mal die gleichen Infos. Und dazwischen gibt es genug Spiel, immer mal wieder ein kurzes Einsatzgebiet, welches ausreichend Action bietet, um sich nicht so anzufühlen, als hätte Panzer Dragoon Saga abgesehen von der Handlung nichts zu bieten, aber kurz genug, damit das simple Gameplay nicht schal wird.

Denn ganz so viel kann Edge auf dem Rücken seines Drachens nicht machen. Er selbst kann mit seiner Knarre schießen, die Drache hat Laser und ein Sortiment an Spezialfähigkeiten, die mit Level Ups und verschiedenen Evolutionsstufen mehr werden. Die meisten Kämpfe sind jedoch ziemlich flott und mit normalem Beschuss zu absolvieren. Um ein wenig mehr Action reinzubringen, immerhin kommen wir hier aus einer Shooter-Franchise, gibt es anschließend nicht nur eine Bewertung darüber, wie gut man sich angestellt hat, sowie ist das Kampfsystem dem ATB-Kämpfen nicht unähnlich. Auch in Panzer Dragoon Saga muss darauf gewartet werden, dass sich diverse Balken füllen, bevor die Attacken vollführt werden können, wobei sich hier allerdings währenddessen um die Gegner herum bewegt wird. Wichtig ist natürlich nun zum Aufladen der Balken in die sicheren Areale zu fliegen, um dann anschließend ihre Schwachpunkte unter Beschuss zu nehmen. Das macht schon sehr viel Spaß, aber wie gesagt, sonderlich tiefgängig ist es auch nicht. Eben genau passend, um die eigentlich kurzen Einsatzgebiete mit ihrer hohen Zufallsbegenungsrate unterhaltend zu haben, aber nicht nach mehr zu verlangen, wenn sie absolviert sind. Zwei der uncharakteristisch langen Dungeons halten sogar gleich gar keine normalen Gegnerkämpfe parat.

So wirkt Panzer Dragoon Saga einfach unglaublich entschlackt für ein RPG. Denn nach 15 Stunden ist das Spiel vorüber, erzählt aber eine epische Reise, die gleichgesinnte Spiele der Generation auf 50-80 Stunden überstrapaziert hätten. Die Zeit stiehlt einem Panzer Dragoon Saga nicht, sondern schreitet in beständigem Tempo voran, gibt einem immer die nötigen Infos ohne sich zu wiederholen, und bietet kurz-simples Gameplay zur Auflockerung dazwischen.

Und die Details in der Welt. Überall liegen alte Relikte herum, gibt es Wildleben in Form von Vögeln und Fischen zu bestaunen, einen Tag-und-Nacht-Zyklus. Selbst das eigene Camp ändert sein Aussehen je nachdem, wo in der Welt man sich befindet. Es ist fast etwas schade, dass Panzer Dragoon Saga auf den schlechten 3D-Kapazitäten des Saturns erschien, statt es zu einem frühen Titel des Dreamcasts zu machen, dessen Weitsicht und Detailgrad der Ambition der Macher wesentlich zuvorkommender gewesen wären. Ein netter Nebeneffekt der Tatsache, dass dem Spiel nie ein Erfolg im Westen eingeräumt wurde, und weswegen es leider nur besonders kleine Stückzahlen gab, die für unmenschliche Preise Second Hand angeboten werden, ist immerhin, dass das Spiel weiterhin komplett in Japanisch vertont ist. Dazu kommen dann noch extrem passende, schöne Klänge, die perfekt zur Identität der andersartigen Welt und esoterisch angehauchten Handlung passen.

Fazit:
Panzer Dragoon Saga ist so ziemlich als das beste RPG seiner Generation bekannt, welches keine Sau gespielt hat. Nachdem ich mir nur selbst ein Bild davon machen konnte, kann ich das nur unterschreiben. Panzer Dragoon Saga ist das Spiel, welches Final Fantasy XIII sein wollte, aber komplett vermasselt hat. Modern und entschlackt, aber eben mit 15 Stunden und kurzen Arealen auf den Punkt gebracht, sowie einer echt interessanten Welt und toller Handlung mit richtig coolem Ende. Wenn nicht sowieso das beste 32bit-RPG, dann doch auf jeden Fall in den Top 3.

10 von 10 Punkten

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