7th Dragon

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 05.03.2009 (J)

Etrian Odyssey war auf dem DS zum Überraschungserfolg geworden, und ganz allgemein hat Japan die Dungeon Crawler wieder für sich entdeckt, denn sie bieten niedrige Produktionskosten auf relativ stabile Absatzzahlen. Als sich Sega dann Kazuya Niiro, der Producer des ersten Etrian Odysseys und mit Yuzo Koshiro auch den Composer der Reihe schnappte, um ihre 7th Dragon Franchise zu starten, war eigentlich klar, welchen Weg das gehen würde.

Die Stimmen in unserem Kopf teilen sich also auf 4 überraschend stumme Archetypen, die neu in der Abenteurergilde sich angemeldet haben, und nun in die imaginären Lande zu ziehen um Abenteuriges zu tun. Jedoch fängt ziemlich schnell die Kacke zu dampfen an, denn 666 Drachen und ihre Blümchen erscheinen urplötzlich und machen die Welt unsicher. Also müssen die Nationen mit einem Plan kommen wie diese beseitigt werden können.

Zunächst wirkt das Spiel tatsächlich sehr wie Etrian Odyssey. Denn auch hier wird eine Gilde gegründet und die stummen Charaktere erstellt, die eben nicht wirklich Charakter haben, sondern durch ihren Beruf definiert sind. Der Knight ist ein Tank, der Samurai und Thief sind Damage Dealer, Princess ist Support, Healer ist Heiler, man kennt die Jobs ja bereits nicht nur exklusiv aus Etrian Odyssey. Die teils knackigen Kämpfe laufen in Egoperspektive, und besagte 666 Drachen dienen zugleich als Bosse, jedoch auch als in den Dungeons sichtbare Gegner, die ganz wie die FOEs aus Etrian Odyssey auch mal schnell in einem der zufälligen Kämpfe auftauchen können, um einem die Laune so richtig zu vermiesen.

Doch die Ähnlichkeiten mit Etrian Odyssey hören da eigentlich schon auf, die Struktur des Abenteuers erinnert nämlich wesentlich mehr an klassische RPGs mit Charaktererstellung a la Final Fantasy und Dragon Quest. Denn wir haben hier nicht nur ein langes Dungeon in Egoperspektive, eine Menüstadt, und so gut wie keine Handlung. Nein, 7th Dragon bietet eine richtige zu erkundende Oberwelt, mit frei begehbaren Städten voller NPCs, die Quests für einen parat halten, sowie sind die zahlreichen Dungeons in Vogelperspektive gehalten. Auch ist die Story wesentlich präsenter statt nur schmuckes Beiwerk. Wenn man nur Screenshots von Kämpfen und Charakterentwicklung sieht, scheint 7th Dragon tatsächlich ein sehr kopierender Dungeon Crawler zu sein, aber letztendlich ist dem überhaupt gar nicht so, sondern es ist mehr als hätten Etrian Odyssey und Dragon Quest III ein Baby gehabt.

Ein paar Kinderkrankheiten bringt das ansonsten recht charmante und launige Spiel natürlich schon mit. Beispielsweise ist das Voranschreiten im Spiel, weil es halt nicht so minimalistisch wie Etrian Odyssey ist, aber doch viel Augenmerk auf die Kämpfe wie dort gelegt wird, ein vergleichsweise langsam voranschreitendes. Zumal man an so einigen FOEs oder Bossen auch echt hängen bleiben kann. Auch wenn dafür nicht jeder Boss in jedem Dungeon (und natürlich auch eine Vielzahl der FOE-igen Drachen darinnen) nicht besiegt werden müssen, sondern umgangen werden können. Netterweise zeigt ein Timer auf ihnen an wann sie sich dem aktuellen Kampf anschließen, und das Spiel gibt einem gleich 100 Inventar-Slots für die hinterlassenen Gegenstände. Dafür zeigt es nützliche Passiv-Skills wie Evil Eye und Walk Safe leider nur im Menü an, statt das man deren Aktivität bzw. Auslaufen jederzeit auf einem der Bildschirme hätte, wo sie wesentlich benutzerfreundlicher untergebracht wären. Für die Quests erst zum NPC, dann zur Gilde, und dann zurück zum NPC gehen zu müssen, bevor sie wirklich aktiviert sind, ist auch etwas unnötig umständlich.

Und dann wären da noch die Blumen, die die Welt überzogen haben. Die sind schon ein ziemliches Gimmick, denn wenn die Gruppe über sie läuft, werden sie zertreten. Da die giftigen Blumen (welche die Gruppe bei nicht aktivem Safe Walk natürlich schädigen) die Kommunikation zwischen den Städten behindern, kosten Gegenstände mehr als den Standardpreis, bis man die in der Region der Oberwelt zerstört hat. Die in den Dungeons hingegen regenerieren sich solange wie es noch Drachen in ihnen gibt. Im Enddefekt führen sie jedoch nur dazu, dass die Dungeons im Prinzip zu gut 70% mit giftigem Boden überzogen sind, zumindest bis man sich evtl. die Mühe gemacht hat, alle FOEs zu erledigen. Von daher können sie schon manchmal nerven.

Das Spiel sieht übrigens nicht so spartanisch aus wie man zunächst denken mag. Beispielsweise gibt es überraschend viele nette Details, zum einen in den Städten und Häusern voller Mobiliar und Deko, aber auch auf dem mehrebenigen Kampfbildschirm. Monster sind nicht animiert, dafür gibt es flashige Cut-ins, wenn einer der sonst nicht sichtbaren Charaktere angreift oder zaubert. Der Soundtrack von Yuzo Koshiro ist selbstredend sehr eingängig, wenn auch etwas Fantasy-üblicher und weniger rockig als wir das von einer gewissen anderen Serie, die bereits zahlreich genannt wurde, und im Fazit erneut zum Vergleich herangezogen werden wird, kennen.

Fazit:
7th Dragon ist im Prinzip das Spiel für jene, die die Charaktererstellung eines Etrian Odyssey interessant finden, aber mit reinen Dungeon Crawlern nichts anfangen können, sondern lieber die normale Spielstruktur eines klassischen Dragon Quests hätten. Denn genau das wird im Spiel geboten, welches sich Sega von Image Epoch hat machen lassen. Wäre jedenfalls der wesentlich bessere Lokalisationskandidat gewesen als deren andere Pleiten wie Sands of Destruction, Arc Rise Fantasia oder gar Time & Eternity über den Teich zu bringen. Glücklicherweise war uns jedoch eine Fantranslation hold.

7 von 10 Punkten

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