Another Bible

  • Plattform: GameBoy
  • Release: 03.03.1995 (J)

Wenn es mal eine Videospiel-Franchise gibt, die den Titel des Königs der Unübersichtlichkeit verdient hat, dann ist das Megami Tensei. Zu viele Teile, zu viele Subserien, zu viele Spinoffs innerhalb von Subserien. Last Bible beispielsweise, welches sich analog zum ersten Shin Megami Tensei mehr für eine traditionellere Dragon-Quest-esque Richtung entschied, und der Franchise erste Handheld-Subserie war. Als Atlus nämlich dann ein SRPG auf Nintendos Handheld losließ, tat man dies schlichtweg als dessen Spinoff-vom-Spinoff Another Bible.

Das Teil ist in einem ähnlichen Universum beheimatet, denn auch hier leben Menschen und Biester in der gleichen Welt, geraten aber gern mal aneinander. Zwar sollte nach dem Großen Krieg zwischen den Rassen Frieden herrschen, aber das will halt nicht unbedingt jeder. Hero, der schnell mal die mit Biestern kommunizierende Girl vor Banditen rettet, schickt sich also an, die Welt zu retten. Vor einer lebendig gewordenen Bibel. Mit Hilfe von Heiligen von der Venus und Robotern. Nur weil es kaum Handlung gibt, die in wenigen Sätzen zwischen den Schlachten durchgewunken wird, bedeutet das ja nicht, dass Megami Tensei nicht gewohnt etwas schräg werden darf.

Vom Gameplay her ist Another Bible wesentlich weniger speziell, wobei es natürlich sicherlich alleinig bereits eine Herausforderung war ein SRPG überhaupt auf dem GameBoy mit seinen beschränkten Möglichkeiten zu bekommen. Mit NPCs gesprochen und eventuell Gegenstände eingekauft wird zwischen den Auseinandersetzungen in den Dörfern. Vor einer Schlacht muss sich herausgepickt werden, welche maximal 10 Einheiten daran teilhaben sollen, was sie eventuell für zwei helfende Sachen ausrüsten sollen, und dann wird rundenbasiert über das Kampffeld gelaufen und sich verprügelt.

Dabei gibt es einen Unterschied zwischen menschlichen und dämonischen Mitstreitern. Andere Menschen werden rekrutiert, in dem sie von egal wem auf dem Kampffeld angesprochen werden, zumindest wenn es ein rekrutierbarer Charakter ist. Biester hingegen können nur von Girl dazu überredet werden sich anzuschließen. Menschen leveln langsamer als Biester, dafür verwandeln sich Biester nach ein paar Leveln in die nächstbeste Form der Familie und starten erneut als Level 1. Dennoch balanciert dies nicht unbedingt die beiden Arten aus, Biester werden eindeutig wesentlich schneller stärker als die Menschen im Team. Genau genommen wird man wahrscheinlich lang vor Ende des Spieles drei Biester mit guter Reichweite und Flugeigenschaft, womit sie unüberwindbares Terrain einfach ignorieren können, auf maximale Entwicklung und Statuswerte gebracht haben, und mit nur ihnen jedes Schlachtfeld leerfegen, bevor der Rest des Teams überhaupt weit vom Startpunkt weggekommen ist. Da hilft auch die Tatsache nichts, dass neben den individuellen Kill-EXP es für den Sieg der ganzen Schlacht noch mal Gruppen-EXP gibt, die gleichmäßig an die ganze Truppe gehen, damit wahrscheinlich keiner allzu weit hinterher zu hinken beginnt.

Grafisch gefallen hier vor allem die Close Ups beim Schlagabtausch, die ganz wie in Fire Emblem und Shining Force vor einem Terrain-spezifischen Hintergrund anzeigen, wie die Einheiten sich in großen Sprites prügeln. Wobei bereits hier die Limitation des GameBoys zieht: Alle Biester einer Familie benutzen den gleichen Sprite, sowohl den kleinen auf dem Kampffeld, wie den großen in diesen Nahaufnahmen. Egal ob man nun Alb, Troll, Djinn oder Oberon nutzt, lediglich das Charakterportrait zeigt dies an, ansonsten hat man immer das gleiche Mädel im Kleid vor sich. Die Kampffelder an sich sind natürlich weniger nett anzusehen, und um den Bewegungsradius einer Einheit auf einem monochromen Bildschirm darzustellen wird einfach der Rest der Umgebung ausgeblendet. Aber hey, immerhin ist die Musik ganz cool.

Fazit:
Another Bible ist im Prinzip Last Bible nicht unähnlich, auch wenn in einem ganz anderen Subgenre behaftet: Ein wenig simpel und einfach und sicherlich nicht auf irgendeine Weise herausragend, sondern eher unspektakulär. Aber ganz nett fand ich es schon, wobei es vielleicht genau an jenen „Qualitäten“ lag, denn normalerweise sind mir SRPGs zu komplex und anstrengend. Veteranen werden wahrscheinlich hoffnungslos unterfordert und schnell gelangweilt.

6 von 10 Punkten

Werbeanzeigen