Metal Gear

  • Plattform: MSX2
  • Release: 07.07.1987 (J), 1987 (EU)

1987 war es also soweit: Hideo Kojima, dessen Kurzgeschichten keiner veröffentlichte, weil sie zu lang und Wortreich waren, und der auch den Weg in die Filmbranche abbrach, um bei Konami im Gaming-Bereich anzufangen, wo er allerdings auch nie ein allzu guter Programmierer war, bekam sein erstes Projekt zugeteilt, da beim MSX Metal Gear der Hauptverantwortliche kurz vorher absprang.

Der Filmfan von US-amerikanischer Action und SciFi hätte zwar lieber auf dem NES gearbeitet, jedoch machte er aus den Limitationen des MSX2 einfach eine Tugend: Er lies sich u.A. von Flucht aus L.A. inspirieren und so wurde aus Metal Gear statt eines Action-geladenen Contras aus Vogelperspektive ein Spiel, welches statt der offenen Konfrontationen die Stealth-Bewegung durch die Basis belohnt.

Die Handlung ist überraschend kurz erzählt: Agent Solid Snake bekommt von seinem Vorgesetzten Big Boss über die berühmten Codecs seinen Auftrag. Und zwar die feindliche Basis Outer Heaven zu infiltrieren, um gefangene Verbündete zu befreien, und die mit nuklearen Sprengköpfen bestückte Superwaffe Metal Gear auszuschalten. Es war eben die Zeit des Kalten Krieges. Das war auch schon die komplette Geschichte, viel mehr lässt sich das Spiel nicht mehr einfallen. Abgesehen von einer Wendung am Ende natürlich, immerhin ist das Ding immer noch von Kojima. Und gewohnt ist der Einfall wohl mehr cool als sinnig, aber immerhin, in 1987 war das sicherlich schon was. Auch sehen wir hier bereits sein Händchen an interessanter Namensgebung. Sachen wie Solid Snake, Big Boss, Outer Heaven, aber auch Gegner wie die Terminator Arnolds, Coward Duck, oder Shoot Gunner, bei denen man sich nie so sicher ist, ob die jetzt cool, dämlich, oder einfach beides sind.

Aber im Gegensatz zu den Spielen auf Speichermedien, die wesentlich mehr Platz bieten, hält sich Metal Gear wie bereits erwähnt mit dem Text sowieso relativ rar, neben Codecs nur noch in den Textboxen von geretteten NPCs, die häufiger eher Hints statt Handlung offerieren. Und die sind bitter nötig, um durch das Spiel zu kommen.

Denn die diversen miteinander verlinkten Gebäude von Outer Heaven, plus die Hinterhöfe und Wüstenareale zwischen ihnen, sind nicht immer leicht zu navigieren. Gerade welcher Aufzug noch mal wohin führt merkt sich nur schwer, und vor allem wenn auf die zweite Hälfte des Spieles viel bereits freigeschaltet ist und ständig zwischen den Gebäuden und Stockwerken non-linear gewechselt und Backtracking betrieben werden muss, verirrt sich so ein Solid Snake schon mal gern. Da sind die Gegner fast das kleinere Übel. Die haben nämlich ein relativ limitiertes Blickfeld, nur in gerader Linie geradeaus, steht Snake nur einen Pixel zur Seite, sehen sie ihn nicht kommen. Das macht es zunächst relativ einfach sie zu umgehen, bzw. bevor sie einen bemerken auszuschalten, erst später sind die Gegnerkonfigurationen trickreicher, wobei dann bald schon der Silencer und der Pappkarton gefunden sind und echt helfen. Dennoch gibt es einige Räume die eher unfair wirken, weil es schier unmöglich ist, sie zu betreten, ohne direkt gesehen zu werden. Und auch in den Bosskämpfen helfen schnelle Stealth-Reflexe eher wenig, da sie mit brachialer Waffengewalt ausgeschaltet werden müssen. Wobei diese häufiger mit nur genau einer bestimmten Waffe zu schaden sind, und davon braucht es auch noch genug Munition. Metal Gear beispielsweise ist nur besiegbar, wenn die Tragkapazität an Heilgegenständen und Munition auf dem Maximum ist. Dies wird bedingt durch den Rang von Solid Snake, den er durchs Befreien der Gefangenen erhöht. Da ist es schon ganz nett, dass das Spiel es einem zumindest sehr einfach macht aufzustocken, denn nicht nur die Gegner respawnen, wenn man einen Bildschirm verlässt und wieder betritt, sondern auch alle Gegenstände.

Optisch ist das Spiel ganz nett. Scheinbar hat man auch hier das Konzept gut um die technischen Limitationen gebaut, denn dass viele Räume der Basis relativ gleich aussehen und die Gegner sowieso alle die selben Uniformen anhaben, macht genauso viel Sinn, wie dass das Spiel in wenigen gedeckten Tönen gehalten ist. Die Musik schwankt eher zwischen unspektakulär zu ganz nett, wobei gerade zwei oder drei Tracks echt etwas überstrapaziert konstant eingespielt sind, und nicht unbedingt zur oberen Hälfte des Soundtracks gehören.

Fazit:
Für ein MSX2-Spiel von 1987 ist Metal Gear definitiv ganz cool und interessant. Sowohl das Stealth-Gameplay, durch das man das Spiel fast als Bewegungs-Puzzler Spielen kann, wie auch ein paar der Bosskämpfe sind ganz launig. Allerdings verstecken sich hier noch ein paar weniger schöne Dinge, denn weniger Backtracking und einen bessern Sinn dafür, wohin es als nächstes geht, wären in der zweiten Hälfte definitiv schön gewesen, und einige der Bosse nerven mehr als das sie Spaß machen. Dadurch hatte ich gerade auf die Endstrecke doch mehr Frust. Als erstes Outing und Absprungpunkt der Franchise jedoch ganz brauchbar.

6 von 10 Punkten

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