Project Zero II: Crimson Butterfly

  • Plattform: PS2
  • Release: 27.11.03 (J), 10.12.03 (US), 30.04.04 (EU)

Auf der PS2 lies sich mit Survival Horror noch gut Geld verdienen, und gerade Project Zero schaffte es zu einer gewissen Popularität, somit war von einer Weiterführung der Franchise stark auszugehen. Dauerte auch gar nicht so lang, nach einer erweiterten Version des Erstlings für die XBOX, weil Tecmo und Microsoft damals eng zusammenarbeiteten, kam schon der zweite Teil auf den Markt. Der ist bisher der allgemein favorisierte der Reihe, weswegen Crimson Butterfly derjenige war, der für ein Remake auf der Wii ausgewählt wurde.

Die Handlungen in der Reihe sind immer relativ simpel und ähnlich: Niedliches Mädchen geht in von Geistern heimgesuchtes Gebiet, um Familie/Freund zu retten, und findet über Tagebucheinträge heraus, welches altertümliche Ritual die Geister so angefressen hat. Im Falle von Project Zero II: Crimson Butterfly handelt es sich um die Zwillinge Mio und Mayu, die zusammenhängen wie Mayo und Ketchup, bis eine der beiden in einem verlassenen Bergdorf plötzlich spurlos verschwindet. Natürlich gab es auch hier ein Ritual, das irgendwann gehörig schief ging, und weswegen das Dorf von spiritueller Präsenz abgesehen nun verlassen ist, und natürlich gibt es in den mehreren Enden einen Link zwischen den Zwillingsschwestern und jener dunklen Vergangenheit.

Eine Standardhandlung zu haben ist jedoch gar nicht schlimm, bei Horror sowieso lange nicht, denn es geht wesentlich mehr um die Atmosphäre in den Spielen. Story ist nur dazu da zu erklären, warum die Geister so unruhig sind, und warum die Mädels doch nicht abhauen, nachdem sie vom ersten davon betatscht wurden. Das verwunschene Dorf von Project Zero II hat mir sogar eine ganze Ecke besser gefallen, als dies beim Anwesen in Project Zero der Fall war. Jenes hatte mir über die verschiedenen Nächte hindurch doch etwas zu viel Backtracking durch schon bekannte Räume. Project Zero II hingegen ist etwas offener, da es gleich vier Anwesen der Hauptfamilien zu durchstöbern gibt, und auch ein wenig durch die nächtlichen Straßen zwischen ihnen gewandert wird. Die klaustrophobische Atmosphäre des Vorgängers konnte dennoch beibehalten werden, denn die engen Kamerawinkel und immer noch Hauptspielzeit in den verschiedenen Häusern sorgen weiterhin für genug davon.

Wie gewohnt werden die Geister dadurch besiegt, dass sie mit der Spezialkamera abgelichtet werden. Sehen kann man sie nämlich normalerweise nur bedingt als Hitzeflimmern, doch wenn das Vibrieren des Controlers angibt, dass etwas in der Nähe ist, wird im Idealfall schnell die Kamera gezückt und in die richtige Richtung geschaut, damit ein schönes Closeup von der ruhelosen Seele geschossen werden kann. Risk und Reward ist wieder dabei, denn den Geist möglichst nahe kommen zu lassen und bestenfalls dann noch in einer Attackanimation zu erwischen, führen zu stärkeren Zero Shots und den neuen Fatal Frames, die nicht nur Film-Munition sparen, sondern auch mehr Punkte zum Aufrüsten der Funktionen der Kamera bieten. Zusätzlich hängt das Aufladen der Kamera also, neben wie viel Schaden so ein Foto macht, weniger wie im Vorgänger von der Länge ab, die der Geist im Bild war, und tatsächlich davon, wie nahe er gekommen ist.

Insgesamt ist das Spiel übrigens einfacher. Zum einen gibt es neben den freispielbaren härteren Schwierigkeitsgraden nämlich von Beginn an einen Easy-Mode. Aber auch so ist die Verteilung der Heilgegenstände und Munition wesentlich ausgewogener, statt wie der Vorgänger gegen Ende plötzlich auf Sparflamme zu gehen. Und die Geister sind etwas heruntergefahren. Es gibt weniger häufig mehr als zwei gleichzeitig zu besiegen, und die sehr beweglichen und teleportierenden von ihnen machen das nicht mehr unbedingt im Sekundentakt. Auch randomisierte Geister bei zu viel Backtracking geklärter Räume gibt es weniger häufig, einfach weil das Backtracking nicht mehr so häufig ist. In engen Räumen sind Geister, besonders zu zweit, immer noch knifflig, und es gibt auch noch den Obergeist, der mit einem simplen Treffer den sofortigen Tod bedeutet, wenn er auftaucht, jedoch sind die wirklich nervigen Eigenschaften aus dem Vorgänger im Gegnerverhalten stark reduziert worden.

Das Spiel sieht gewohnt gut aus. Wobei die Lokalität dem natürlich förderlich ist. Die beiden Zwillingsschwestern haben nämlich immer noch einen Mannequin-Einschlag, wobei das gewohnt zu ruhige und Gefühlsarme Verhalten, das die beiden wie so ziemlich jeder Horror-Spiel-Protagonist ob ihrer Situation zu Tage legen, natürlich auch nicht viel Mimik benötigt. Ihre Sprachausgabe ist jedenfalls schon mal nicht mehr so katastrophal wie im vorigen Spiel. Und die Geister und das düstere Dorf sehen natürlich gut aus. Besonders nett ist auch, dass sie jetzt etwas belebter von ihrem Erscheinen her sind, wie beispielsweise der Frauengeist, der aus Kisten und Brunnen kriecht, während die meisten Geister im Vorgänger einfach aus der Luft materialisierten.

Fazit:
Wem Project Zero gefiel, der kann sich auch nur schwerlich an Project Zero II: Crimson Butterfly stoßen, denn wir haben es hier eigentlich mit dem gleichen Spiel zu tun, nur das es etwas mehr Feinschliff bekommen hat. Bessere Handhabung, besseres Design, gewohnt dichte Atmosphäre. Alles supi im Hause Project Zero also.

9 von 10 Punkten

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