Great Greed

  • Plattform: GameBoy
  • Release: 17.09.92 (J), 04.1993 (US)

Wenn man an Namco und RPG denkt, kommt natürlich sofort die Tales-Franchise ins Gedächtnis… und dann lange nichts. Immerhin ist das wirklich nicht gerade deren Default-Genre wie bei Square gewesen, was natürlich nicht bedeutet, dass sie nicht dennoch immer mal wieder eines herausgebracht haben. So auch 1992 auf dem GameBoy Vitamin Kingdom Story, welches 1993 als Great Greed in die USA kam.

Der Name ist natürlich etwas seltsam, sowohl im Ursprungsland wie nach der Lokalisation, wobei es da schon einen Handlungsgrund für gibt. Jedenfalls geht es hier um einen Jüngling aus unserer Welt, der von der Zauberin Microwave ins Green Kingdom gewarpt wird, wo ihm sofort zur Aufgabe gemacht wird den Bösen Bio-Haz zu besiegen. Warum nur er das kann, und was eben hinter dem US-Titel steckt, ist dabei eine (die einzige) Wendung gegen Ende des Spieles.

Ansonsten bewegt es sich recht üblich durch das Spiel, welches sich selbst nicht so ernst nimmt. Denn die schrägen Namen mit kulinarischem Einschlag bleiben bestehen. Ritter heißen Lunch Box, Königreiche Soup, Städte Cavia. Als Gegner stellen sich Zyklopenpuddings mit Namen Eye-Pudding, oder mit Spießen fechtende Hähne mit der Bezeichnung Chicken-Skewer entgegen. Ein Feuerspeiender Koch präsentiert seinen eigenen Kopf auf einer Servierplatte, eine Göttin hat statt der Sonnenscheibe einen großen Teller hinter sich. Irgendwann werden dem Helden nach einer Rast in einer heißen Quelle einfach mal die Klamotten geklaut, und er muss sich nackt aus dem Wald wieder heraus boxen, oder wir klauen einem Pop Idol ihre Single aus einem Plattenspieler-Dungeon. Solche Sachen sind es, die Great Greed im Gedächtnis halten, eher weniger die gewöhnliche Haupthandlung oder Standard-Reise von einem Königreich zum nächsten mit seinen zwei Städten und Dungeons, die besucht werden, bis es ins nächste geht – dabei immer eine Ausrede findend, warum nicht in vorige Gebiete zurück gekonnt wird.

Das Kampfsystem erscheint zunächst ebenfalls speziell zu sein, obwohl es effektiv nicht wirklich sonderlich von einem Rundensystem abweicht. In Great Greed stehen sich, ähnlich dem ersten Dragon Quest, immer nur der Held alleine und ein Solo-Gegner gegenüber. Es gibt zwar immer mal wieder NPCs, die sich auf der Reise anschließen, jene sind jedoch keine aktiven Kampfgefährten, helfen höchstens sporadisch mal mit einem Hieb oder Heilung aus. Ein reguläres Kampfmenü sucht man hier allerdings vergebens, stattdessen legt das Spiel die einzelnen Kampfaktionen auf die Knöpfe. Magien und Heilgegenstände können selbst auf die vier Richtungstasten des Steuerkreuzes gelegt werden, A und B sind Angriff und Verteidigung, Start ist der Fluchtversuch. Nun war es auf dem Papier sicherlich so geplant, dass der Spieler mehr involviert wird, da je nachdem, was derjenige und was der Gegner wann drückt, neben dem normalen Schlagabtausch auch mal dazu führen kann, dass daneben gesemmelt oder sich gegenseitig Schachmatt gesetzt wird. Wird zu lang gezögert, greift auch schon mal der Gegner an, ohne das man selbst was gemacht hat. Die Gegner sind allerdings nicht animiert, als Spieler weiß man also nie, was jener als nächstes macht. Von daher lässt sich das nicht wirklich ausnutzen, sondern fährt man am Besten, in dem man einfach jede „Runde“ den Angriff hämmert oder mal einen Zauber einwirft, und auf das Beste hofft. Damit fährt es sich sogar relativ gut, denn bis kurz vorm Finale ist das Spiel – eine plötzlich wesentlich stärkere Superattacke hier oder dort ausgenommen – nicht sonderlich schwer, und was macht kurz vor Ende schon die eine oder andere Grindsession in einem Spiel der frühen 90er?

Die Grafik ist in Great Greed eine ziemlich gemischte Pralinenschachtel. Die Sprites in den 1:1-Kämpfen sind schön groß und relativ expressiv, sowie haben viele Gegner drei verschiedene zu bieten: Ruhig, Angriff und cartooniger Tod. Alles außerhalb der Kämpfe sieht hingegen mehr als dürftig aus, und da reißt auch die Musik nichts mehr raus, welche von der Komposition her nicht schlecht ist, aber gerade in den besseren Stücken häufig doch etwas hohe Pieptöne aus dem GameBoy kommen lässt.

Fazit:
Great Greed ist für mich eines der besser gealterten RPGs des monochromen GameBoy. Klar, die Grundlagen sind ziemlicher Standard, aber das recht witzige Design und sich nicht zu ernst nehmender Text machen es zu einer recht charmanten kleinen Reise durch ein nicht überzogen schweres Spiel.

7 von 10 Punkten

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