Legend of the River King 2

  • Plattform: GameBoy Color
  • Release: 16.07.99 (J), 17.04.01 (US), 30.03.01 (EU)

Nachdem der Westen die ersten beiden Legend of the River Kings aussetzen durfte, trat der in der Lokalisation natürlich seine Nummer einbüßende dritte Teil ein paar fette Jahre los. Neben dessen GBC-Upgrade durfte also auch der vierte Teil, hier dann Legend of the River King 2, an den Start gehen.

Normalerweise ist die Handlung in den Teilen immer gleich, entweder will man sich als Meisterangler beweisen und deswegen den Fischkönig fangen, oder die Schwester liegt im Sterben und kann nur durch Königs-Sushi geheilt werden. Legend of the River King 2 geht hingegen einen etwas anderen Weg, und zwar hat die kleine Yuki einen magischen Orb fallenlassen, dessen zwei Hälften vom Berg- und Seegott gestohlen wurden. Die sich wiederum dachten in Fische verwandelt entkommen sie der starken Hand des Gesetzes, doch wir sind natürlich da, um ihnen das Gegenteil zu beweisen.

Eine Besonderheit an Legend of the River Kind 2 ist nämlich auch, dass es zwei der in Japan zur Nushi-Tsuri-Franchise gehörigen Spiele mischt. Neben Legend of the River King, in dem in Binnengewässern gefischt werden darf, gibt es dort nämlich noch Legend of the Sea King, welches spielerisch identisch ist, jedoch auf hoher See die Angel auswirft. Der hiesige Teil bietet beides an, wer zu Beginn den Jungen wählt startet in den Bergen und soll den Flusskönig aus einem Bergsee fischen, wer als Teen anfängt darf den Ozeankönig aus dem Meer ziehen. Zumindest als erste Etappe, denn die jeweils andere Hälfte des Abenteuers muss anschließend auch bestanden werden, sprich Legend of the River King 2 bietet so schon gut den doppelten Content des Vorgängers, zumindest was die überschaubare Anzahl der Areale in den Spielen angeht, an Fischen gibt es über die dreifache Anzahl.

Allgemein scheint das Spiel darauf bedacht mehr von allem zu bieten, was auch ganz gut ist, da so etwas Abwechslung ins Fischen gelangt, welche es vorher nicht gab. Es gibt mehrere NPCs pro Dorf, denen ausgeholfen werden darf, statt jeweils nur einen. Darunter weniger von den nervigen Quests, in denen nur ein rarer Fisch in unmöglicher Größer gefangen werden soll, und stattdessen wesentlich humanere Fang- und Sammelei. Die ist nämlich neu, so kann an diversen stellen nach Käfern gesucht (außer es regnet oder ist Nacht), sowie in den Meeren nach Kleinvieh getaucht, und auch die verschiedenen Blumen am Wegesrand gepflückt werden. Nett für Komplettzionisten, die so noch drei weitere Listen neben dem Fischkompendium füllen dürfen, und eben auch nett für die Abwechslung in den Quests.

Der Hauptaugenmerk des Spieles ist und bleibt natürlich das Angeln, welches gleichzeitig einfacher wie langwieriger gestaltet worden ist. Die Grundlagen sind beibehalten: Angel auswerfen, warten bis ein Fischschatten dem Köder nahe kommt, hoffen er beißt an. Wenn nicht, dann neuen Köder und Angel ausprobieren, wenn ja geht es in eine Seitenansicht, wo das Tauziehen beginnen darf. Immer schön Leine lassen, wenn der Fisch gegensteuert, und schnell einholen, wenn er verschnaufen muss. Ganz so wirklich viel Geschickt gehört hier genau genommen nicht dazu, sondern schon eher Glück. Denn die besonders großen Viecher steuern schon gern mal lange und häufig gegen, und abgesehen von einer längeren Schnur kann der Spieler da wenig gegen tun. Es ist wirklich einfach etwas vom Glück abhängig, ob sich genug Einholchancen bieten, oder das Mistvieh so lang gegensteuert, bis die Leine reißt. Solche Extremfälle bleiben jedoch glücklicherweise die Seltenheit, meist ist das Fischen relativ launig. Zumal es diesmal häufiger mal eine Angel geschenkt gibt, große Teile des Spieles über reicht es aus das Geld in Köder zu investieren. Und wer hier die wiederverwendbaren kauft, der gelangt nicht in Geldnot.

Die RPG-Kämpfe blieben genauso unverändert, sind immer noch so sporadisch wie sie aufgesetzt und überflüssig erscheinen. Ohne wäre das Spiel besser dran, aber wer als Teen startet ist immerhin schon auf Level 8 statt Level 1 des Kindes, wodurch zumindest das elendige Grinden des Vorgängers negiert wird. Ausrüstung gibt es immer noch nicht, dennoch hat das Verdreschen des Wildlebens mehr Tiefgang als eventuell erwartet. Beim Auswahl des Angriffes bewegt sich nämlich ein Cursor über den Bildschirm, man trifft natürlich nur, wenn jener gerade über dem Sprite des Gegners ist. Mit der Zeit wird er schneller, es also schwerer zu treffen, allerdings hat jedes Tier auch einen Schwachpunkt (Schlangen beispielsweise, wenn der Cursor über dem Kopf ist), es kann sich also lohnen etwas zu warten, in der Hoffnung jenen treffen zu können. Zudem ist der HP-Wert im Spiel enorm wichtig, da er sozusagen auch als Stamina doppelt. Je geringer die HP, um so weniger Schaden macht ein Angriff, und umso weniger weit kann eine Angel ausgeworfen werden.

Mit dem Sprung auf den GameBoy Color hat sich auch grafisch ein wenig was getan. Grundsätzlich sieht das Spiel auf den ersten Blick immer noch gleich aus, allerdings gibt es einige nette Details mehr – die Gebäude sind gut möbliert und dekoriert, und jede Gaststätte hat einen anderen Bettbezug – sowie allgemein mehr Farben und ein paar kleine Animationen in den Fischen und Gegnern. Die Musik bleibt meist unauffällig, außer der Kampf mit einem Fisch startet, dann wird sie passend rockig.

Fazit:
Ich war alles andere als begeistert vom Vorgänger, doch mit Legend of the River King 2 hatte ich eine ganz gute Zeit. Alle Nervfaktoren hat die Serie noch nicht hinter sich gelassen, die Kämpfe gibt es immer noch, und ob Fische beißen oder eingeholt werden können kann immer noch etwas random erscheinen, jedoch wurde viel davon eingedämmt. Mit zudem mehr Umfang und Abwechslung kann ich diesmal sogar eine Spielempfehlung aussprechen, an all jene, für die Angelspiel mit ein wenig RPG ganz interessant klingt.

7 von 10 Punkten

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