The Legend of Heroes: A Tear of Vermillion

  • Plattform: PlayStation Portable
  • Release: 02.06.05 (J), 15.11.05 (US)

Falcoms The Legend of Heroes ist in Japan recht erfolgreich, dafür im Westen bis Trails in the Sky hoffnungslos untergegangen, obwohl ein Großteil in Nordamerika released wurde. Beispielsweise Bandais PSP-Remakes der Gargharv-Trilogie, die das dritte bis fünfte Spiel der Franchise einnimmt. Aus keinem sonderlich ersichtlichen Grund wurde sogar deren Reihenfolge verändert, nämlich A Tear of Vermillion als erstes Spiel herausgebracht, obwohl es das zweite der Trilogie darstellt.

Merkt man der Handlung jedoch nicht an, denn das Spiel ist in sich geschlossen und macht absolut ohne Kenntnisse der anderen beiden noch Sinn. Es kann auch nicht behauptet werden, dass es eine besonders originelle oder komplexe Handlung wäre, sie erinnert zudem von der Struktur her etwas an Breath of Fire II und Lunar, zumindest im Beginn. Jedenfalls startet A Tear of Vermillion mit dem Jungen Avin und seiner Schwester Eimelle, die behütet in Cathedral aufgewachsen sind, was der Heimatorte der Kirche um den guten Lichtgott Bardus ist. Doch eines Tages überfallen die Jünger des Schattengottes Octum Cathedral und auf der Flucht werden die beiden Geschwister voneinander getrennt.

Im wahren Beginn des Spieles ist Avin nun bereits 18 Jahre alt und in einem bescheidenen Dorf aufgewachsen als sein Ziehväterchen stirbt. Mit bestem Freund Mile macht er sich nun auf, um seine verlorene Schwester endlich mal zu finden, und vielleicht auch ein Machtwort im Konflikt der beiden Götter zu sprechen, sollte es sich überraschend herausstellen, dass er ein Auserwählter ist, der mit der Macht der Freundschaft das Schicksal besiegen kann oder so.

Die Handlung ist genau genommen sehr geradlinig und hat keine großen Überraschungen oder Komplikationen zu bieten. Ein paar Octum-Jünger meinen zwar hier und dort selbst die Guten zu sein, aber Avin und seine Truppe müssen nie ernsthaft hinterfragen, für und gegen welchen Gott zu kämpfen wirklich die richtige Entscheidung ist. Was durchaus auch mal ganz nett sein kann, in den 90ern hatten wir mehr als genug „dein Gott ist in Wirklichkeit böse, also bring ihn um“-Handlungen. Nicht das die in A Tear of Vermillion dadurch spezieller würde, aber das braucht es eben nicht immer.

Was vielleicht da dennoch etwas merkwürdiger ist, ist die Tatsache, dass die Handlung eindeutig im Vordergrund des Spieles steht. Es gibt unglaublich viel Text und die Kämpfe scheinen eher ein Nebenprodukt zu sein, welches notgedrungen eingefügt werden musste, damit es eben ein RPG und kein Visual Novel ist. Wobei A Tear of Vermillion ähnlich Dragon Quest etwas weniger wert auf die übergeordnete Handlung legt, und viel mehr auf die einzelnen Stationen der Reise. In jedem neuen Gebiet gibt es neue Spielercharaktere zu treffen, einen neuen kleinen Konflikt zu lösen. Und es gibt enorm viel World Building in Form von Geschichtslektionen zu den Göttern, dem Kontinent, und deren Historie.

Was dem leider etwas entgegen steht sind zwei Dinge. Zum einen ist es für ein Spiel, bei dem es mehr um die Reise denn das Ziel geht, sehr merkwürdig, dass der Spieler häufig aus ganzen Gebieten ausgeschlossen wird. Es steht fast immer nur die aktuelle Region offen, der Weg vorwärts aber auch zurück sind abgegrenzt, erst nachdem der lokale Konflikt gelöst ist geht es weiter, wird jedoch dieses Gebiet dann als ein alter Hut abgestempelt, der nicht mehr getragen werden muss. Fast zumindest nicht, denn es gib doch viel Backtracking später im Spiel, wo bekannte Orte erneut geöffnet und besucht werden. Beides miteinander kombiniert führt leider zu dem Gefühl, dass die Welt erstaunlich klein und gleich ist.

Das zweite Problem wäre die Lokalisation, die doch sehr an die 90er erinnert. Deren Ruf ist sowieso berühmt-berüchtigt, und ganz so schlimm Babelfish ist sie dann doch nicht, sondern immer klar was gemeint ist und nie wirklich was komplett unverständlich. Jedoch ist sie schon mit recht vielen Fehlern bestückt und schlicht und einfach extrem trocken. Es ist schwer sich durch die Geschichte der Welt zu lesen, wenn diese Bücher so langweilig zu lesen sind. Es ist schwer der leichtmütigen Handlung und den vielen Charaktermomenten wirklichen Charme zu entlocken, wenn die Textboxen dazu so enorm banal und fast maschinell übersetzt scheinen. Da zeigen Dragon Quest oder Trails in the Sky, wie es richtig gemacht wird, um etwas Leben in das Script zu bringen.

Aber noch mal zurück zum Gameplay zwischen dem ganzen Text, welches dem Spiel fast peinlich zu sein scheint wann immer es dies einfügen muss. Hier offeriert die PSP-Version relativ gewöhnliche rundenbasierte Kost, im Gegensatz zum Action-orientierten Original auf PC, was natürlich zusammen mit der Übersetzung nicht die beste Paarung darstellt. Immerhin sind die Gegner jederzeit in den Gebieten sichtbar, ihnen kann also ausgewichen werden, und sobald die Gruppe zu stark wird, fliehen sie von sich aus, statt das an viel zu einfaches Kleinvieh Zeit verschwendet werden müsste. Das ist sogar der beste Weg durchs Spiel: Einfach jeden Gegner bekämpfen, den man sieht, und sobald sie zu fliehen beginnen in Ruhe lassen, und die Gruppe wird immer auf einem adäquaten Level sein.

Adäquat heißt hierbei allerdings das das Spiel ziemlich einfach bleibt. In normalen Kämpfen, deren einzige taktische Neigung daraus besteht, dass a la Lunar sich doch etwas auf dem Kampffeld bewegt wird, und dementsprechend die Entfernung zu Gegner bei Angriffen und Charakteren bei Heilzaubern wichtig wird, reicht es vollkommen aus, nur mit normalen Hieben um sich zu schlagen, und hier und dort aus dem großen MP-Pool mal einen Heilzauber zu ziehen. Dadurch bleiben die sich langsam aufladenden Deadly Attacks für die Bosse übrig, die in wenigen Runden durch eben genau jene besiegt sind. Die Kämpfe sind wirklich nicht der Stützpfeiler von A Tear of Vermillion.

Was das Aussehen und die Musik angeht, so reiht sich auch hier das Spiel bei ganz passabel ein. Die 3D-Oberwelt ist gestochen scharf, könnte jedoch mehr Abwechslung gebrauchen, die darauf befindlichen Sprites fallen nie unangenehm auf, sind jetzt aber auch nicht besonders gut animiert. Dafür ist das Artwork für die Textboxen hübsch. Die Musik ist nicht schlecht, so etwas gibt es bei Falcom einfach nicht, aber zu ihren besten OSTs würde ich ihn auch nicht wirklich zählen.

Fazit:
The Legend of Heroes: A Tear of Vermillion ist eine leicht merkwürdige Erfahrung. Nicht was den Inhalt des Spieles angeht, da sind sowohl Handlung wie Gameplay wie audiovisuelle Präsentation ziemlicher Standard. Aber eben das Spielen an sich ist etwas seltsam, denn ich fand das Spiel definitiv ganz unterhaltsam und einen brauchbaren Zeitvertreib, obwohl die einzelnen Elemente, aus denen es besteht, einen kolossalen Langweiler produzieren müssten, gerade in der englischen Lokalisation. Irgendwas hat das Spiel aber dann doch auf „ganz Ok“ für mich gehoben.

6 von 10 Punkten

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