Class of Heroes

  • Plattform: PlayStation Portable
  • Release: 26.06.08 (J), 09.06.09 (US)

Bei Class of Heroes handelt es sich um eine Serie die kurz aber extrem gelebt hat: Zwischen 2008 und 2012 brachte es die Franchise auf 5 Spiele und 3 Ports, bevor sie wieder in der Versenkung verschwand. Nachdem Atlus dem ersten Teil eine Chance gab, jedoch wenig Erfolg hatte, blieb es deswegen an den scheinbar kein Geld machen wollenden Gaijinworks hängen, die restlichen Teile einem nicht existenten West-Publikum zu unterbreiten.

Was japanische Dungeon Crawler angeht, so bedienen die sich gerne mal Wizardry, wenn es um ihr Design geht. Gerade Class of Heroes hat zudem den Ruf sehr von Wizardry Xth inspiriert zu sein, um es mal vorsichtig auszudrücken, was bedeuten würde, dass es sich sehr wie jene West-Franchise spielt, allerdings ordentlich Anime überall drüber geschüttet wurde. Und das kommt so schon sehr gut hin. Wobei Elminage mit ordentlich Anime-Anstrich vielleicht sogar noch ein klein wenig besser passt, aber Elminage kopiert ja auch nur frei von der Leber bei Wizardry Empire III weg.

Das ist schon beim Erstellen der Charaktere des 6er-Teams merklich. An die Anime-Fantasy-Schule von Class of Heroes mögen neben den üblichen Langweilern an Menschen, Zwergen und Elfen so illustre Rassen wie Erdgeister, Celestians oder Drakes gehen, doch im Prinzip laufen die relativ kongruent zu der Rassenvielfalt aus Wizardry VI. Nachdem Rasse und Geschlecht gewählt wurde – Avatar ist leider keine Auswahl vorhanden bis man an den jeweils anderen zwei Schulen später im Spielverlauf neue erstellen kann – werden bekannt Bonuspunkte ausgewürfelt, um die Attribute etwas anpassen zu können. Und die natürlich beeinflussen, welche Berufung zur Verfügung steht. Ein wenig sein eigenes Ding macht Class of Heroes hier allerdings schon. In Wizardry war es so, dass die Gesinnungen Good und Evil nicht miteinander in ein Team wollten. Class of Heroes lässt dies zu, was allerdings einen ordentlichen Dämpfer in der Affinität der Charaktere zueinander bedeutet. Gleiches gilt für nicht kompatible Rassen wie Zwerge und Elfen gleichzeitig im Team zu haben, oder einen von allen gehassten Diablos. Eine gute Party-Affinity bedeutet eine besser funktionierende Gruppe und die Möglichkeit Gambit Party-Skills werfen zu können, die besonders die Bosskämpfe schnell für einen entscheiden können.

Was im Spiel weiterhin an Wizardry angelegt ist, sind die mit massig unbekanntem Loot um sich werfenden Gegner, welches von der richtigen Charakterklasse identifiziert werden muss, sowie fürs Level Up am Campus übernachten zu müssen, und das ein solches durchaus auch Statuswerte verringern kann. Zudem kann eine Wiederbelebung theoretisch fehlschlagen und einen Charakter zu Asche verwandeln. Es ist also ratsam vor Level Ups und Wiederbelebungen zu speichern. Das darf allgemein häufiger mal in Anspruch genommen werden, denn Class of Heroes erlaubt ein jederzeitiges Speichen auch in den Dungeons, und wer will schon wenn dann doch mal was unvorhergesehen schief läuft, eine Stunde Kerkerkriechen wiederholen, wenn es nicht nötig ist?

Allgemein ist Class of Heroes, auch wenn der letzte Absatz nicht danach klingen mochte, ziemlich human und macht es dem geneigten Spieler nicht sonderlich schwer. Wie immer sind die ersten Level in einem Dungeon Crawler eine kleine Hürde, weil man massig unterlevelt und schlecht ausgerüstet beginnt. Sobald aber dann ein paar Level Ups geschehen sind und erste gute Rüstung identifiziert wurde, gestaltet sich der Haupt-Bulk des Spieles als fürs Genre ziemlich einfach. Selbst die meisten Bosse sind mit ein oder zwei Gambit-Einsätzen sofort besiegt. Instakills gibt es selten, Level drain gar nicht, und das die ganze Gruppe besiegt wird sollte fast nie geschehen, und wenn dann weil man wahrscheinlich etwas übermutig war. Durch die Alchemie können zudem aus fallengelassenen Gegenständen ordentlich überstarke Waffen und Rüstungen hergestellt werden. Wirklich Probleme kann ehrlich gesagt nur der letzte Boss machen, da jene doch als ziemliche Ziegelsteinmauer designt ist, die man entweder in zwei Runden erledigt, oder kaum noch eine Chance hat ihrem Damage Output und Selbstheilung die Stirn bieten zu können. Wer es mit dem Leveln oder der Alchemie nicht übertrieben hat, der muss bei ihr wirklich auf glückliche Aktivierung von Gambits in Verbindung eines niedrigen Max-HP-Rollens hoffen.

Was das Spiel leider auch macht, und was erneut etwas an Elminage erinnert, ist das es Quantität vor Qualität stellt. Statt nur einem oder zumindest weniger Dungeons hält Class of Heroes ein gutes Dutzend bereit, die teilweise auch ineinander übergehen, bevor die nächste Akademie oder Enklave erreicht wird. Jene Dungeon bestehen im Schnitt aus 3 bis 7 Stockwerken. Und sie sind randomisiert, wenn auch nicht komplett. Was das heißt ist, dass jedes Dungeon für jedes Stockwerk aus einem Pool von 3 Layouts wählen kann, wobei sich einige überschneiden. Das kann also dazu führen, dass ein bereits bekanntes Stockwerk zu betreten eine trotzdem komplett leere Karte aufweist, da ein neues Layout gewählt wurde. Noch kurioser kann eine Karte in einem zum ersten Mal betretenen Verlies auch schon komplett aufgedeckt sein, weil es sich das Layout mit einem Stockwerk eines früheren Kerkers teilt. Wozu dies leider führt ist, dass ausgerechnet das Erkunden der Dungeons in Class of Heroes von wenig Wertigkeit ist. Jedes Layout von jedem Stockwerk eines jeden Dungeons zu kartographieren wäre viel zu ermüdend, und durch die schiere Anzahl wirken sie auch wenig designt und zu generisch, um wirklich irgendeine Besonderheit zu beheimaten. Es ist interessant wie die Idee hinter einer (Teil-)Randomisierung, nämlich den Spielverlauf frisch zu halten, häufig zum gegenteiligen Ergebnis der früheren Müdigkeit führt.

Um vielleicht doch etwas Persönlichkeit in die Geschichte zu bringen, sind immerhin die Texte und Monster leicht humorig angelegt. Class of Heroes ist stark Quest-basiert. Immerhin dreht sich alles um eine Abenteurer-Schule, deren 6er-Team-Klassen sich auf in die Dungeons machen, um die Aufträge der Lehrer und Mitschüler zu erledigen, was letztendlich die vage Story vorantreiben wird. Allerdings sagt einem ein NPC schon mal, dass es einen gar nichts angeht, wofür sie jetzt genau in Auftrag gegeben hat, 3 Stück Drachenkot zu finden. Oder als Gegner werfen sich auf Milchflaschen surfende Babyteufelchen entgegen. Das sind durchaus nette Einfälle um den Text der generischen Aufgaben nicht komplett als solche durchscheinen zu lassen, aber ganz davon abzulenken weiß das Spiel eben dennoch nicht.

Das ist vielleicht auch dem Design an sich ein Stück verschuldet. Class of Heroes ist bunt und niedlich und das Charakterdesign durchaus nett, aber doch ein wenig Standard, ohne das gewisse etwas der ähnlichen Etrian Odyssey oder 7th Dragon mitzubringen, gerade viele der Monster sind geradezu langweilig anzusehen. Musik gibt es auch wenig, nämlich nur in den Städten, Storyszenen, und in den Kämpfen, wo sie durchaus gut ist, jedoch während der vielen Zeit im Dungeon gibt es nur Stille durchbrochen von Ambientgeräuschen. Und Porno-Gestöhne des Teams, sollte man in eine Wand laufen.

Fazit:
Class of Heroes ist ein absolut durchschnittlicher Standard Crawler, der nichts direkt schlecht macht, sich aber auch in keiner Weise auszeichnet. Das Design ist generisch statt cool wie in Elminage, The Dark Spire oder Tale of the Forsaken Land, bzw. niedlich a la 7th Dragon und Etiran Odyssey zu sein. Das Spiel hat weder den Biss eines Stranger of Sword City, fiese Herausforderung eines Elminage, ist trotz einfachem Schwierigkeitsgrad aber auch nicht ganz so unkompliziert benutzerfreundlich wie ein 7th Dragon 2020 oder Shining in the Darkness. Und das lahme Dungeon-Design bietet viel zu wenig Abwechslung. Da es so einfach zu spielen ist, war es super zügig mal nebenbei durchgespielt, aber wirklich was in Erinnerung bleiben wird mir sicherlich nicht.

5 von 10 Punkten

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