Kawa no Nushi Tsuri

  • Plattform: Nintendo Entertainment System
  • Release: 10.08.1990 (J)

Übersetzt auch in etwa„Flusskönig-Fischen“ (sicherlich nötige Korrektur bitte an wayne@nulpe.xx senden) ist der Name des ersten River Kings in Japan, welches bereits 1990 auf dem NES aufschlug, und der Insel der aufgehenden Sonne vorbehalten blieb. In der Agenda jedes NES/SNES-Spiel aller Zeiten irgendwann allerdings fanübersetzt zu haben, ist uns auch das zweifelhafte Glück zu Teil geworden, jenes Original in verständlicher Sprache spielen zu können. Sofern die verständliche Sprache Englisch ist, versteht sich.

Die Schwester ist krank, oh nein! Nach dem Abwägen zwischen mehr Spielzeug zu haben, jedoch auch bei mehr Hausarbeit helfen zu müssen, kommen wir doch zum Schluss, dass wir ihr vielleicht helfen sollten bevor sie abnibbelt. Also die gute alte Angel in die Hände genommen, um sie wilden Tieren über die Nase zu ziehen und viel wichtiger Fische zu fangen, auf das sie den legendären Flusskönig verspeisen können wird.

Das erste River King ist gar nicht so sehr vom dritten Teil entfernt, welches wir auf dem GBC als Legend of the River King kennen. Nur noch etwas archaischer und seine RPG-Seite stärker herauskehrend. Beispielsweise sind hier die einzelnen Dörfer noch eigene Bildschirme, die von der Oberweltkarte der Flusslandschaft getrennt sind. Vom Vorgehen her wird ebenfalls ein recht bekannter Ablauf dargeboten: Durch dutzende Kämpfe ins nächste Gebiet gehen, dort in der nächsten Stadt unterkommen und ein oder zwei Quests erledigen, um ins nächste Gebiet gelassen zu werden, wo dies von vorn beginnt. All das eben, bis die Hand voll Flussabschnitte durchwandert wurden und der Flusskönig im Meer gefangen werden darf.

Angeln gestaltet sich hier allerdings noch ein wenig anders, hauptsächlich in dem es die Möglichkeiten stark einschränkt. Es gibt nur einen Haken und Schnur, die Angel wird automatisch auf die neuest gefundene/gekaufte geändert, da es immer ein Upgrade ist, und auch an Ködern ist nur eine Hand voll vorhanden. Es kann noch nicht überall im Fluss geangelt werden, sondern ausschließlich die als Strudel oder Blasen gekennzeichnete Stellen haben Fische in ihnen, die Angel darf nur an Stegen und Kiesstränden ausgeworfen werden. Dafür zeigen die Stellen direkt an, welche Köder die hiesigen Fische nehmen und welche Zeitverschwendung sind, sowie brauchen sie sich nicht mit jedem geangelten Fisch auf, sondern nur wenn die Leine reißt. Klingt alles nun verdächtig so, als wäre das Angeln in Kawa no Nushi Tsuri ziemlich chillig, da auf so viel weniger geachtet werden muss, weniger schief gehen kann. Keine dutzenden Kombinationen aus Angeln, Haken, Leinen und aufbrauchenden Ködern mehr bzw. noch nicht. Nerven tut es aber doch, denn das Angeln hier ist echt schwer. Grundsätzlich ist es die übliche Schoße: Auswerfen, auf ein Anbeißen warten, dann B drücken, um die Tauzieh-Ansicht zu sehen, in der der Fisch immer dann eingeholt werden kann, wenn er gerade still ist statt gegen zu halten. Das Problem ist jedoch, dass fast alle Fische ab der Spielhälfte so häufig gegensteuern, dass selbst mit der aktuell besten Angel es reine Glückssache sein kann, genug Zeit zu bekommen, sie auch einzuholen, bevor die Leine reißt. Und wesentlich mehr Geld, um sich die Angel oder das Quest-Item im nächsten Gebiet leisten zu können, geben die ungleich schwerer herauszuziehenden Fische auch nicht unbedingt.

Dazu kommen dann noch die zahlreichen Gegnerbegegnungen auf den extrem langen Strecken um Flussufer entlang zur nächsten Stadt. Gewohnt zufallsgeneriert, gewohnt gibt es einen wandernden Cursor, um eventuell den Schwachpunkt zu treffen, oder ganz daneben zu schlagen. Bei genug Erfahrungspunkten gibt es mehr HP, die gleichzeitig als Stamina doppeln, sprich beeinflussen, wie gut eingeholt wird und wie viel Schaden beim Gegner geschieht. 1HP pro Level up. Noch mal in Worten: Ein ganzer Hitpoint. Am Ende des Spieles hat man so kurioserweise mehrere tausend EXP, aber nur ein paar Dutzend HP im Status stehen. Viele Gegner sind das Bekämpfen echt einfach nicht wert, und die Spielfigur wirkt konstant unterlevelt. Kurioserweise sind die hin und wieder beim Angeln anbeißenden Frösche und Salamander bessere EXP-Quellen, weil sie einfacher einzuholen sind, statt einem normalen Kampf standhalten zu müssen.

Dementsprechend wird aus Kawa no Nushi Tsuri einfach ein extrem langer Grind. Fische grinden, um das Geld für bessere Ausrüstung zu bekommen, um Fische marginal besser grinden zu können, damit die Gegenstände erschwinglich sind, die den Zugang ins nächste Gebiet öffnen. Separat davon noch an Gegnern grinden, um mit wenig mehr HP vielleicht eine Chance zu haben, auf dem Zahnfleisch auch in jenem nächsten Gebiet anzukommen. Grind, grind, gind, Kawa no Nushi Tsuri ist sowas von einem archetypen NES-RPG.

Dafür sieht es ganz gut aus und hört sich ganz gut an. Gerade die recht großen Sprites für Gegner und Fische bekamen wie immer mehr Liebe spendiert als die restliche Grafik, deren Hang für Brauntöne gerade in den Städten etwas trist ist. Mit den Bliep-Sounds des NES traditionell-japanisch klingende Melodien zu schaffen, die dem Setting gerecht werden, ist ebenfalls ganz gut gelungen.

Fazit:
Einen weiten Bogen um das Spiel machen. Es nimmt die eingeschränkten Möglichkeiten von Legend of the River King auf dem GBC, schneidet noch mehr davon weg, und ersetzt es mit einem nervigen Grind, für den NES-RPGs häufig etwas unrühmlich verschrien werden, der hier aber voll und ganz Anwendung fand. Keine Minute lang launig. Legend of the River King 2 ist und bleibt der goldene Standard an Fisch-RPGs, drei Spiele vorher war in der Franchise noch nichts zu holen.

2 von 10 Punkten

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