7th Dragon 2020

    • Plattform: PlayStation Portable
    • Release: 23.11.2011 (J)

Nachdem auf den Etrian-Odyssey-Zug aufspringen wollend 7th Dragon auf dem DS solide aber nicht die erhofften Zahlen lieferte, versuchte man sich erst Mal am Spinoff 7th Dragon 2020. Diesmal auf der PSP, die wesentlich mehr Dungeon Crawler sah, sowie mit neuem Setting und Design sich einem anderen Publikum anbiedernd.

Genau genommen bietet das Spiel fast die gleiche Handlung wie das Original, versetzt es eben nur ins Tokyo der Zukunft. Auch hier tauchen in einer schon von Monstern verseuchten Welt plötzlich hunderte Menschenfressende Drachen auf, und die Welt sieht sich einer neuen Blüten-überzogenen Gefahr gegenüber. Netterweise gibt es allerdings eine Monster-Elimination-Spezialeinheit, die kurzerhand auch auf Drachen umsattelt, und zu der die eigens erstellten Charaktere natürlich frisch dazugestoßen sind.

Allerdings wirkt die Handlung hier eine Ecke präsenter. Im ersten 7th Dragon war die Bevölkerung des Fantasy-Settings ziemlich ruhig eingestellt, dafür das es 666 superstarke Menschenfresser vom Himmel geregnet hat, und die Welt von giftigen Blumen überzogen wurde. Egal wie häufig die Landesväter einem sagten, dass alles ganz schlimm ist und man sich ran halten soll, so wirkte die Gefahr nie ganz da. Das ist in 7th Dragon 2020 ganz anders. Schon alleine durch das persönliche Setting, hier bleibt man nämlich auf Tokyo beschränkt, und es gibt nur ein Hauptquartier, in dem die Flüchtlinge der Katastrophe einkehren. Auch halten die NPCs mit ihren Aufgaben diesmal kleine Randgeschichten dazu bereit, wie die zivile Bevölkerung mit der Katastrophe umgeht. Das soll nicht heißen, dass hier nur triste Weltuntergangsstimmung herrscht, auch 7th Dragon 2020 erlaubt sich ein paar Späße, um das Geschehen aufzulockern (NPCs lassen einem schon mal ein Bento da, oder laden ins Date Cafe ein), aber hier ist man eben doch in einer Welt, in der Handlung und Setting immer wieder vor Augen gerufen werden, statt sie zwischen den Cutscenes fast vergessen zu können.

Diesmal haben wir es übrigens mit einem echten Dungeon Crawler zu tun, der Vorgänger schaute sich zwar die Charaktererstellung und Kampfoptik sowie FOEs von Etrian Odyssey ab, war im Aufbau des Abenteuers allerdings ein klassisches RPG a la Dragon Quest III. Auf der PSP ist das anders, die Oberwelt ist zu einem Menü wegrationalisiert, jegliche Einkäufe, Nebenaufgaben oder Lagebesprechungen geschehen im Tokyoter Rathaus, welches das Hauptquartier darstellt. Alle anderen Gebiete Tokyos sind die einzelnen Dungeons, die nach und nach bestritten werden wollen. Und das so Anfängerfreundlich, wie in kaum einem anderen Spiel des Subgenres.

Das fängt schon mit der Charaktererstellung an. Nachdem der Look ausgewählt wurde, wobei es hier nur 5 männliche und 5 weibliche Avatare gibt, wird einer von 5 Berufen drangeklatscht, bis ein Team aus 3 Leuten erstellt ist. Keine geheimen Klassen freischaltbar, kein Upgrade auf Advanced Jobs, es bleibt bei 5 Archetypen für ein 3er-Team. Die auch nur im Namen besonders klingen, in der Praxis jedoch bewährte Aufgaben erfüllen. Der Destroyer ist der Tank, der die Gruppe vor Gegnerangriffen schützt; der Samurai der DPS, der den Schaden verursacht; Psychic ist der Magier, im hiesigen Falle sowohl die schädigende wie heilende Magie zusammengenommen statt auf 2 Jobs zu verteilen; Hacker ist der Support, der mit Buffs und Debuffs arbeitet, während der Trickster Statusveränderungs-Support sowie DPS gibt. Das mag zunächst erst Mal ernüchternd wenig Auswahl sein, sowohl in der Teamaufstellung wie auch deren Look, wobei kurioserweise gleich 30 (15 pro Geschlecht) Stimmen bekannter VAs zur Auswahl stehen, obwohl nur Battle Grunts vertont wurden. Jedoch führt die Limitation definitiv dazu, dass es mehr als schwer ist, eine Gruppe zusammenzustellen, die nicht Funktionstüchtig ist.

Weitere Simplifizierungen bestehen beispielsweise in den Verbesserungen der Charaktere. So gibt es keinen Fähigkeitenbaum mehr, sondern kann munter in jeden bereits freigeschalteten Skill investiert werden, neue aufzudecken hängt nun an der Erweiterung des Hauptquartiers und somit mehr oder weniger am Storyfortschritt. Außerdem gibt es die für Fähigkeitsaufbesserung nötigen Punkte nach jedem Kampf, nicht mehr begrenzt per Level Ups, sollte sich also später herausstellten, dass die aktuelle Wahl nicht optimal war, können die Punkte zum Lernen der nötigen Skills jederzeit durchs Gegnerschnetzeln nachgeholt werden. Um das Hauptquartier aufzubessern, was neben besagter größere Skill-Auswahl beispielsweise auch neue NPCs für Nebenaufgaben anlockt, oder in den Läden neue Gegenstände freischaltet, statt die durch rare Gegner-Drops grinden zu müssen, benötigt es übrigens DZ, eine Einheit, die durch das Besiegen von Drachen gewonnen wird. Die Laufen wie gesagt ähnlich der FOEs in Etrian Odyssey als sichtbare Gegner in den Dungeons herum, und können theoretisch jederzeit in normale Kämpfe preschen, wenn sie nahe genug sind. Im Gegensatz zu FOEs allerdings hält sich der Schwierigkeitsgrad der Drachen im humanen Bereich, ein nerviges Umpuzzeln wie in EO4 oder Persona Q ist nicht nötig, die meisten können frühzeitig angegangen werden.

Wem sie dennoch zu schwer sind, der kann das Spiel übrigens auf Casual Mode spielen. Die normalen Gegner sollten so oder so keine großen Probleme bereiten, kommen sie zudem auch nie in großen Gruppen oder gar verschiedenen Reihen, so dass man sich mit Distanzangriffen rumärgern müsste. Die Dungeons sind nicht allzu lang, bieten obendrauf reichlich Speicherpunkte, von denen raus und zu denen wieder herein gewarpt werden kann, und heilen tun sie die Gruppe auch noch. Und die Blumen, die so im Vorgänger genervt hatten? Die gibt es Story-bedingt immer noch, allerdings haben sie keine Auswirkungen aufs Gameplay, der permanent schädigende Boden ist also ein Ding von Gestern. Und dann gibt es immer noch die MP-unabhängigen Party Skills, die so nebenbei mal einen Charakter heilen oder wiederbeleben können, oder auch einen jederzeitigen Warp aus dem Dungeon zulassen. Es sollte also schnell klar sein, dass 7th Dragon 2020 wenig darauf aus ist, den Spieler umzubringen, und mehr einfach eine gute Zeit besonders für Neulinge bieten möchte.

Wie gesagt bietet sich das Spiel im Look dann doch einem anderen Publikum an, und zwar jenem, die mehr auf stylisch-modern a la Persona 3/4 oder The World Ends With You stehen. Sprich die Charakterdesigns sind Fashion Victims direkt aus Shibuya, auch wenn sie im Charaktermodell dann SD-ifiziert werden. Hatsune Miku ist ein rettbarer NPC, die dann sogar die Option freischaltet, alle BGM durch den Vocaloid-Filter zu hören. Keine Ahnung, wer das wirklich will, ich finde die Original-Versionen zumindest schöner als die seelenlose Synth-Vocaloids. Die Dungeons haben alle ein eigenes Design, manche sind dann zwar doch nur Tokyos Innenstadt oder U-Bahn mit viel Pflanzen überwachsen, aber es gibt schon ein paar echte Highlights, wie die sich als surreales Geflecht in den Himmel windende Bahnschienen, oder das Horror-artige Evernight. Manchmal ist all das sicherlich etwas angestrengt cool, ich glaube es gibt keinen Skill und keine Handlungsszene, die nicht inflationär Gebrauch von Duch Angles macht, doch insgesamt sitzt die stylische Präsentation.

Fazit:
Ich mochte bereits 7th Dragon, jedoch gefiel mir 7th Dragon 2020 sogar noch ein Stück besser. Es ist ein so herrlich unkompliziertes Stück Dungeon Crawler, mit stärkere Handlung, besserem Questsystem, flüssigerem Spielverlauf, und super moderner Optik. Hier und dort ist es vielleicht etwas zu eingeschränkt, aber das kann der nächste Teil ja revidieren und den passenden Mittelweg zwischen den Spielen einschlagen.

8 von 10 Punkten

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