Dragon Quest: Die Reise des verwunschenen Königs

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 27.11.04 (J), 15.11.05 (US), 13.04.06 (EU)

Nach fünf Teilen von Chunsoft und zwei weiteren von Hearbeat ging SquareEnix für den achten Eintrag ihres RPG-Urgesteins was die Programmierarbeit angeht zu Level 5, die sich bisher hauptsächlich einen Namen durch die Dark Clouds auf der PS2 gemacht hatten. Daraus entstand der Teil, der das hässliche Entlein endlich mal grafisch in die Moderne katapultierte, ansonsten allerdings auf den ersten Blick nicht allzu viel Besonderheiten zu bieten scheint. Immerhin brachte das weltweite Release zum ersten Mal den Originalnamen nach Nordamerika und den ersten Hauptteil für Europa mit sich. Und das sogar mit Verbesserungen zum japanischen Original.

Statt mit dem Prolog und Setup der Handlung zu beginnen, startet Dragon Quest VIII lieber in media res, wobei jedoch auch das nicht so richtig, sondern eher ein paar hundert Meter vom Prolog entfernt. Der stumme Held ist auf der Reise mit einem zum grünen Gremlin verwunschenen König und seiner zum Pferd gewordenen Tochter, zudem dem fetten Tagedieb Yangus mit Hang zu catchigen Kraftausdrücken. Die sind auf der Suche nach dem Hofnarren-Fiesling Dhoulmagus, der die Königsfamilie und deren Reich verhext hat.

Und dabei bleibt es auch im Großen und Ganzen, denn Dragon Quest VIII gestaltet sich schon sehr klassisch. Ein Fiesling, dessen Spur über ungefähr zwei Drittel der Spielzeit und einem Großteil der Welt gefolgt wird, während zwei weitere (attraktivere) Begleiter für das Team eingesackt werden. Und dann natürlich ein größeres altertümliches Böse, welches für die letzten Schritte auf dem Finale herhalten muss. Die interessantere Spielstruktur von IV, V oder auch VII hat sich Dragon Quest VIII nicht abgeschaut, bringt mit sich dafür einen wesentlich besseren Zusammenhang der Reisestationen. Schon immer mussten auf dem Weg durch die Welt kleine Exkurse in der aktuellen Region gemacht werden, ein paar NPCs mit etwas Dungeonarbeit aus ihrem persönlichen Schlamassel zu helfen ist Serientradition. Im hiesigen Teil ist es allerdings schon so, dass ein Großteil jener Nebengeschichten doch auf die ein oder andere Weise damit zusammenhängt Dhoulmagus zu folgen oder mehr Bösartigkeiten von ihm zu erleben. Später sogar ein wenig Forshadowing zum eh nicht überraschenden Aus-dem-Arsch-ziehen eines größeren Übels zu betreiben.

Zudem ist Dragon Quest VIII definitiv der Teil mit dem stärksten Weltdesign. Und das kommt tatsächlich voll und ganz durch die visuelle Präsentation, so gern immer prätentiös darüber gemeckert wird, dass bei RPGs das Budget und die grafische Leistung eh egal ist, weil Story und Gameplay ach so viel wichtiger sind. Jedoch macht einfach ein großer Teil des Reizes vom achten Teil aus, dass man diese gigantische, hübsche, voll in 3D auf dem großen Fernsehbildschirm realisierte Welt durchschreitet. Beeindruckende Kathedralen, weitläufige Höhlen, dichte Wälder, ominöse Ruinen, so gut wie hier ist die Welt in keinem anderen Teil umgesetzt. Und wenn ein Charakter dem Team sagt, dass sie besser Heilkräuter einkaufen, weil die nächste Stadt ein Stück entfernt ist, dann will der nicht nur an deren Gold ran, sondern hat sogar recht. Denn es ist eine Wanderschaft, um von Ort A nach Ort B zu kommen, statt zehn Schritte über Gras und drei durch einen Wald zu machen, und schon wurde ein ganzes Tal inklusive 5 Random Encountern durchquert.

Natürlich droht eine gewisse Größe mit sich zu bringen, dass man die langen Wegstrecken irgendwann leid wird, jedoch hält sich dafür Dragon Quest VIII gut genug im Rahmen. Abgesehen davon, dass es in den Winkeln der Welt besondere Monsterfights, versteckte Schatztruhen, das eine oder andere Nebenquest, oder einfach nur eine hübsch anzusehende Landmarke zu entdecken gibt. Sobald ein Ort einmalig betreten wurde, kann immer schnell dorthin zurückgewarpt werden, selbst viele der etwas weiter abseits gelegenen Dungeons lassen dies mittlerweile zu. Und jene Verliese sind nie übermäßig lang geraten, die längeren halten Heilbrunnen parat, und der Weg durch sie wird immer mal wieder mit Puzzle-Räumen aufgepeppt, die zudem netterweise die Zufallskämpfe entweder ganz abschalten oder zumindest stark reduzieren. Allgemein hat der achte Teil, sowohl in den Dungeons als auch auf der Oberwelt, eine eher niedrige Häufigkeit an Kämpfen zu bieten, um eben für die schiere Größe der Welt und die langen Wegstrecken zu kompensieren. Wer Levelrunden einlegen will, für den gibt es immerhin den tollen Pfiff-Skill, der sofort einen Gegner herbeiruft, statt im Kreis laufen und auf den nächsten Gegnern hoffen zu müssen.

Die Kämpfe an sich laufen gewohnt rundenbasiert ab, mit den üblichen vier an ihnen beteiligten Charakteren. Wobei es in der PS2-Version auch nur vier mögliche Mitstreiter gibt, also genau so viele, wie am Kampf teilnehmen dürfen. Das mag erst Mal nicht viel sein, aber abgesehen davon, dass jeder eine distinkte Rolle einnehmen darf, wachsen sie so glaubwürdiger über die lange Reise zusammen. Um dann doch etwas Taktik in das Klassen-lose System zu bringen, hält Dragon Quest VIII die Talente bereit. Jeder Charaktere hat mehrere Fähigkeitsbäume, in die durch Level ups erhalten Punkte investiert werden, um die diversen Talente darin zu erlernen. Ob nun der Held eher auf Schwertkunst oder Bumerangwerfen fixiert ist, oder ob Jessica lieber Angriffs- oder Zustandsmagien lernen soll, ist also dem Spieler schon selbst überlassen. Zudem kann sich in den Kämpfen an sich fokussiert werden, durchaus über mehrere Runden, um anschließend die nächste Aktion umso stärker werden zu lassen. Nicht ohne Risiko, denn viele Bosse in der zweiten Hälfte beherrschen die Hassfähigkeit eines jeden DQ-Spielers, nämlich die Eiswelle, die nicht nur alle Buffs unschädlich macht, sondern auch jegliche angestaute Konzentration.

Um der klassischen Reise weiterhin Pepp zu verleihen, gibt es so einige Nebenaufgaben zu erledigen. Neben dem Üblichen Sammeln an Minimedaillen oder gleich zwei Casinos beispielsweise auch die Monsterarena, für die besondere sichtbare Monster auf der Weltkarte eingefangen werden können, mit denen dann im Prinzip eine kleine Version von Dragon Quest Monsters gespielt wird. Oder das Level 5 ihr Faible für die Itemsynthese einbringen, in dem VIII als erster Teil den mittlerweile ziemlich zum Standard gewordenen Alchemiekessel ins Gepäck steckt, durch den obsolete Gegenstände zu neuen besseren gebraut werden dürfen.

Allgemein fühlt sich viel an Dragon Quest VIII so an, als wollte man nicht einen herausragend besonderen Teil abliefern, sondern mehr ein Best of der Serie bieten. Viele Reisestationen und grafische Details erinnern an frühere Teile, egal ob der Held automatisch in den dunklen Höhlen eine Fackel in der Hand hält, oder am Ende tatsächlich die errettete Prinzessin ihm ihre Liebe schenkt. Dragon Quest war schon immer sehr gut darin, sich in klassischer Tradition zu baden, statt ständig das Rad neu erfinden zu wollen, und Dragon Quest VIII ist trotz aller schockierenden grafischen Leistung und einiger benutzerfreundlicher Modernisierungen eben absolut klassische RPG-Kost der Marke Dragon Quest geblieben.Und auch etwas gemächlich und langsam vom Pacing, darauf muss sich schon eingestellt werden, jedoch bietet sich DQVIII sowieso besser an, es in kleineren Etappen zu spielen. Hier mal ein Dungeon, dort mal eine Reisestation, doch mal ein paar Sidequests erledigen, nicht einen Run aufs 60+ Stunden entfernte Ende hinzulegen.

Über die tolle Grafik, welche die Welt zum Leben erweckt, habe ich schon einige Worte verloren. Dennoch muss noch mal erwähnt werden, wie perfekt das Cel Shading zur Reihe passt, und auch das durchaus nicht nur Wert auf Augenöffner-Technik gelegt wurde, sondern auch charmante Details eingebaut sind, die der Atmosphäre helfen. Die aktuellen Waffen der Charaktere werden beispielsweise an ihren Modellen angezeigt, es gibt viele Animationen für die einzelnen Monster und was sie im Kampf tun, die Welt wird durch Wildtiere am Leben gehalten. Leider auch mit ein paar Framerate-Problemen hier und dort, die bei einem rundenbasierten RPG natürlich weniger gewichtig sind. Außerdem sind die Cutscenes so cineastisch wie in keinem anderen Teil der Franchise umgesetzt, beweisen sogar richtig gutes dramaturgisches und komödiantisches Timing.

Sugiyama-Soundtracks lassen mich in der Regel eher kalt, und somit auch ein Großteil der Tracks auf jedem beliebigen DQ-OST. Doch wenn seine Stücke wie in der westlichen Version von einem echten Orchester eingespielt sind, muss ich zugeben, haben die doch etwas. Es hilft der Atmosphäre der Welt auch enorm, wenn begleitend zur am Horizont auftauchenden Kathedrale ein opulentes Stück zu röhren beginnt. Ebenfalls sehr dem Charme und er Atmosphäre des Spieles zuträglich und ebenfalls exklusiv im West-Release ist die britische Sprachausgabe, die lediglich bei Nebencharakteren wie Ishmair und Medea zu schwächeln beginnt.

Fazit:
Dragon Quest VIII: Die Reise des verwunschenen Königs ist absolut traditionelle und klassische RPG-Kost, in dessen Komfortzone man sich echt schön baden kann. Aber da 2004 statt 1994 herausgekommen, beweist das Spiel dennoch einige Feinheiten, ohne die das ein oder andere wirkliche oldschool RPG etwas archaisch sein kann. Von daher bietet Dragon Quest VIII eine der besseren und benutzerfreundlicheren Ausrichtungen eines klassischen RPGs dar. Und eines mit bombastischer Präsentation, die durchaus nicht zu missachten ist.

9 von 10 Punkten

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