Harvest Moon: Hero of Leaf Valley

  • Plattform: PlayStation Protable
  • Release: 19.03.09 (J), 26.04.10 (US), 03.11.10 (EU)

Es sollte etwas dauern, bis auch die PSP mit einem neuen, „richtigen“ Harvest Moon beglückt wurde. Zunächst gab es, für den Anfang des Handhelds nicht unüblich, nur Back to Nature der PlayStation auf eine UMD gepresst, im Jahr darauf das futuristische Spinoff Innocent Life. Erst in 2009 durften sich Farmsimulations-Spieler auf Hero of Leaf Valley stürzen, und so wirklich ganz ein neues Spiel ist das gar nicht mal gewesen.

Man erinnere sich zurück an das Jahr 2001, an das erste Harvest Moon auf der PS2, betitelt Save the Homeland. Spielerisch zu neuen Ufern aufbrechend ging es mehr darum eine Handlung zu verfolgen, die Insel innerhalb eines Jahres vorm Bau eines Vergnügungsparks zu retten, statt wirklich viel Farmarbeit erledigen zu dürfen. Oder statt wirklich viel irgendwas tun zu dürfen, denn Save the Homeland lies so viel Content missen, dass es wie das Spielen einer frühzeitig herausgebrachten Beta-Version eines noch in Entwicklung befindlichen Spieles wirkte. Eines fertigen Spieles, welches erst 8 Jahre später auf der PSP als Hero of Leaf Valley das Licht der Welt erblickte.

Auch hier kommt der Farmer mit dem Pferdeschwanz auf der Insel an, die kurz davor steht, für den Bau eines Vergnügungspark geplättet zu werden, was natürlich die Bewohner des beschaulichen Dorfes im von der Natur gesegneten Tal nicht so toll finden, und auch die Diva von einer Erntegöttin wenig zum Prickeln bringt. Damit ist der Auftrag schnell klar: Scheiß auf die Feldarbeit, ignoriere die Tiere, finde lieber einen Weg wie die Insel entweder für den Tourismus attraktiv oder zum Naturschutzgebiet ernannt wird. Oder stürze dich eben doch in die Farmarbeit, um innerhalb von 2 Jahren satte 50.000 Gold zu erwirtschaften, um die Insel der Firma abzukaufen.

Das Freikaufen-Ende ist dabei alles andere als schwer zu erreichen, denn die 50.000 Gold können bereits nach dem ersten Frühling erspielt sein, am Ende der zwei Jahre ohne große Hetze locker das Zehnfache auf dem Bankkonto verstauben. Jedoch ist auch eine Rettung über die Nebenhandlungen nicht so schwer. Es gibt 16 verschiedene kleine Stories, in denen eventuell eine bedrohte Tier- oder Pflanzenspezies gefunden, ein altertümliches Fresko entdeckt, das alljährliche Pferderennen auf die Insel geholt, oder das tolle Brot des Bäckers weltbekannt wird. Da das Spiel nun über zwei Jahre geht, reicht es nicht mehr eine davon zu beenden, sondern mindestens drei müssen gesehen sein, um die Insel zu retten. Erneut, ohne große Anstrengungen hatte ich am Ende 12 der 16 Sidestories abgehakt.

Das liegt daran, dass sich für jene selten auch nur im Geringsten angestrengt werden muss. Meist reicht es schlichtweg in den darin involvierten Charakter zur richtigen Zeit zu laufen, um die nächste Etappe in der Cutscene-Kette der Nebengeschichte zu triggern. Jene Zeitfenster sind dabei so großzügig gesetzt, dass solange eigentlich regelmäßig das ganze Dorf abgerannt wird, um jedem Mal Hallo zu sagen, kaum eine übersehen werden kann. Das ist schon etwas schade, denn es hätte das Spiel sicherlich etwas spannender gemacht, wenn der Spieler stärker ins Auslösen der nächsten Vignette involviert wäre, statt mehr oder weniger Kopflos automatisch über sie zu stolpern.

Nebenher gibt es allerdings schon wesentlich mehr zu tun, als Save the Homeland dies noch zugelassen hat. Hero of Leaf Valley kennt beispielsweise saisonale Feste, in denen partizipiert werden kann. Auch gibt es mehr Feldfrüchte zum Anbauen, und das Haus kann doppelt aufgebessert werden. Der Farmer kann kochen, Käfer fangen, in Minigames Fische angeln oder in der Mine nach Erzen suchen. Es werden im Dorf immer mal wieder kleine Aufgaben von den NPCs ausgehängt. Selbst das Herz einer der attraktiven Damen darf sich erkauft werden. Aber dennoch, während all dies für das erste Jahr durchaus durchgängig motivierend bleibt, so reicht es nicht aus, um auch im zweiten bei Stange zu halten. Dafür gibt es dann immer noch zu wenig zu tun. Und das, wo Hero of Leaf Valley auch noch einige zusätzliche Feldfrüchte, Tiere oder schlichtweg die Herzensdame zu heiraten ins Post Game verbannt. All dies früher freizuschalten, den Spieler in den Nebengeschichten mehr selbst machen lassen, und das fürs Ende nötige Geld wesentlich anheben, und schon hätte viel der Langeweile im zweiten Jahr revidiert werden können.

Das Spiel sieht übrigens goldig aus, sehr Farbenfroh, attraktives Charakterdesign (besser in den 3D-Modellen als im eigentlichen Artwork!), und durchaus gute Grafik auf einem technischen Level für die PSP. Dazu noch nette kleine Details wie das um einen herum laufenden Wildleben. Dafür muss sich an die schräge Kameraführung und die ungenauen Hitboxes bei den Tieren gewöhnt werden. Die Musik bleibt eher der Serien-Tradition treu unspektakulär zu sein.

Fazit:
Hero of Leaf Valley war ein gespaltenes Spielerlebnis für mich. Denn das erste Jahr im Spiel war schon unterhaltsam und es gab immer was Neues zu sehen, dafür machte sich im zweiten Jahr allgemeine Langeweile breit, weil außer alle paar Wochen in eine automatische Szene zu laufen nicht viel geboten wurde. Denn so sehr Hero of Leaf Valley mehr zu bieten hat als die Urversion Save the Homeland, so ist das meiste davon Zeug, welches sowieso schon lang Serienstandard ist und unter Strich immer noch nicht genug darstellt, um die komplette Spielzeit zu füllen.

6 von 10 Punkten

Werbeanzeigen