Phantasy Star Portable

  • Plattform: PlayStation Portable
  • Release: 31.07.08 (J), 03.03.09 (US), 17.04.09 (EU)

Nach vier klassischen Rollenspielen und einem Vorreiter im Konsolen-Online-Gaming, die alle sehr beliebt waren, war Sega wohl die gute Reputation der Franchise leid. Phantasy Star Universe und dessen Sequel/Addon wurden geboren und boten gleich weniger Qualität auf. Scheinen sich jedoch nicht schlecht verkauft zu haben, sonst wäre jenes Sequel wohl nie geschehen, und auch Phantasy Star Portable nicht auf der PSP aufgetaucht, welches tatsächlich prinzipiell Phantasy Star Universe Portable ist.

Denn wir haben es hier mit einer Nebengeschichte zu den beiden Konsolen-Brüdern zu tun. Als selbst erstellter neuer Hunter im Gurhal-System wird einem Vivienne, eine KOS-MOS für Arme, für die erste Mission aufs Auge gedrückt. Und wie das Schicksal so will, treffen die beiden neuen Einsatzpartner doch noch auf Überreste der gar nicht ausgerotteten SEED, sowie auf die Terroristin Helga, die gut und gerne etwas mit deren Wiederauftauchen zu tun haben könnte. Beim Versuch jenem mehr als vorhersehbaren Mysterium auf den Grund zu kommen, dürfen sich alle Charaktere aus den beiden Universe-Teilen kurzzeitig anschließen, und Vivienne viel über ihr Roboter-Herz reden, welches sich durch die Zusammenarbeit mit so herzlichen Kameraden bildet, und all so ein Scheiß.

Universe hat sich nicht gerade durch eine gute Handlung oder sympathische Charaktere, dafür aber durch nervig viel Text von jenen ausgezeichnet. Hier ist Portable grundsätzlich nicht ganz anders. Die Charaktere sind immer noch Idioten, immer noch nervig, reden immer noch viel zu viel über viel zu wenig. Die Handlung ist weiterhin saudämlich. Aber statt dies in endlos langsamen Sequenzen zu erzählen, geht Portable von wenigen FMVs abgesehen fast ausschließlich die Visual-Novel-Route. Sprich so gut wie jedes Gespräch und wichtiges Ereignis wird in Standbildern und Charakter-Portraits mit Textboxen erzählt. Dadurch lässt sich durch die unwichtige Handlung und das sich Maya zum x-ten Mal nur über ihre Körbchengröße definiert viel schneller durch klicken und zum Gameplay zurückkehren. Außerdem hat die größte Nervensäge Ethan eine sehr kleine Rolle, und der eigene Charakter ist durch die Selbsterstellung dankenswert stumm und unbeteiligt am ganzen Blödsinn.

Das Gameplay, welches zugegeben nun auch nicht so spektakulär komplex war, hat das Downgrade auf den Handheld nämlich sehr gut überlebt. In der Charaktererstellung gibt es die üblichen Rassen und Jobs, gutes Finetuning an Gesicht, Frisuren, Klamotten und Körperform. Gewohnt hat Defensiv-Equipment keine Auswirkung auf das Aussehen, es darf also so viel Dress-Up mit den diversen präferierten Outfits gespielt werden, wie einem beliebt, um den ultimativen Clown, die heißeste Sexbombe, oder irgendwas dazwischen in den Kampf ziehen zu lassen.

Die Missionsgebiete wurden hier auf 3 aufeinander aufbauende Areale verteilt, zwischen denen es ins Menü zurückgeht, statt eine ganze lange Mission auf einen Schlag machen zu müssen, was aber definitiv positiv ist, da zumindest mir bei Universe gern mal die Motivation in den längeren Einsätzen ausging. Portable lässt sich somit in kleineren Happen genießen. Wie üblich spawnen die Monstergruppen quasi aus der Luft, wobei sich mit der Zeit ein gutes Gefühl dafür entwickelt, beim Betreten welcher Lichtung oder Nebenraumes dies geschehen wird. Und dann wird wild geschnetzelt, ein Knopf ist für die normalen Kombos da, der andere für die PP aufbrauchenden Spezialattacken. Viel mehr Feinschliff gibt es nicht, Blocken oder Ausweichen beispielsweise kennt das Spiel nicht, und aus der Reichweite eines Gegners zu laufen führt eher dazu, in eine andere Attacke aus dem Off zu rennen, weswegen man genauso gut gleich im Trubel stehen bleiben und weiter wild um sich schlagen kann.

Dies geht im Großteil der Einsätze problemlos, denn Phantasy Star Portable ist nicht sonderlich schwer geraten, gerade wenn die freien Nebenmissionen immer mal wieder zwischen den Storymissionen angegangen werden, wodurch zusätzliche Level und Loot abfallen. Zumal das Spiel mit Heilgegenständen um sich wirft, als wären es Süßigkeiten zu Karneval, so dass auf der Hotbar schnell je 60 von allen drei Varianten gelegt sind, um jene im Notfall spammen zu können. Das ist ganz gut so, denn die KI-gesteuerten Mitstreiter haben das I in jenem Kürzel erneut nicht verdient. Gern stehen sie mitten in eine Gegnergruppe ohne anzugreifen, und Heiler spammen mal ihre Vollheilung obwohl man nur einen Kratzer abbekommen hat, und lassen die Gruppe andernorts wieder halb tot durch die Gegend laufen, ohne mit der Wimper zu zucken respektive ihre Heilung zu casten. Problematisch wird dies lediglich bei den Missionen auf Rang S und wenigen auf Rang A, sowie dem finalen Boss der Story. Denn hier tauchen Gegner auf, die sofern man von ihrer Kombo-Attacke erwischt wird, oder von den starken Attacken mehrerer auf einmal, den eigenen Charakter von Max-HP sofort tot auf den Boden befördern, bevor auch nur der Heilgegenstand-Vorrat in der Schnellzugriffleiste ausgewählt ist. Bis auf jenem Höchstrang von 5 möglichen, gerade in den Nebenmissionen, ist das hirnlose Schnetzeln allerdings schon in Etappen launig geraten.

Grafisch ist ebenfalls das Downgrade auf den Handheld gut gelungen, wobei natürlich der kleinere Bildschirm die niedrigere Auflösung ein Stück weit kaschiert. Die Innenareale sind beeindruckender als die Außengebiete, jedoch sieht alles gut aus, inklusive der Charaktermodelle und ihrer diversen Animationen, wobei auch hier die Gegner-Modelle in Variation eher überschaubar sind und lieber verschieden eingefärbt wiederverwertet werden. Probleme schon aus den Universes, was daran liegt das abgesehen von den Charaktermodellen der beiden neuen Charaktere sicherlich 0 Art Assets für Portable neu gemacht wurden, sondern alles genau aus jenen stammt. Bei großen Gruppen oder offenen Gebieten gibt es dafür Slowdown, jedoch hält sich das in Grenzen. Die Audio-Seite ist ok, gerade die Musik passt gut zum Geschehen, besitzt jedoch keinen Ohrwurm-Charakter, und die überraschend viel eingesetzte Sprachausgabe ist unterm Strich brauchbar, dabei von der Qualität je nach Charakter stark schwankend.

Fazit:
Klingt im Endeffekt wie ein Verriss, jedoch war ich durchaus kurzweilig vom Spiel gut unterhalten. Nicht im Story-Modus versteht sich, dafür sind die Charaktere zu blöd und ist die Handlung Müll. Aber eben als kurzweiliges, nicht anspruchsvolles, Gemetzel für eine halbe bis Stunde hier und dort in den Nebenmissionen zu verbringen. Ohne viel Gequatsche dort von Rank D bis A meine Level zu steigern, Loot einzusacken, und mit den Outfits Anziehen spielen, hat mich gut unterhalten. Und das zählt schon für was.

6 von 10 Punkten

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