Castlevania: Harmony of Dissonance

  • Plattform: GameBoy Advance
  • Release: 06.06.02 (J), 16.09.02 (US), 11.10.02 (EU)

1997 brachte uns Igarashi mit seinem Team Castlevania: Symphony of the Night, und die Welt fiel in Freudentaumel. Bis Heute sind Symphony of the Night und Rondo of Blood die meistgenannten Titel, wenn nach dem Lieblingsteil der Serie gefragt wird. Symphony gebar auch ein neues Untergenre der Reihe, welches von dort an als Metroidvania bekannt war. Und sich perfekt für Handhelds eignete, wie das Team hinter den weniger beliebten N64-Teilen mit Circle of the Moon entdeckte. Doch anschließend sollte wieder für einige Zeit Igarashi das Zepter der 2D-Teile übernehmen, immer versuchend seine eigene Symphonie zu toppen.

Das ist dann ironischerweise auch das größte Problem mit Harmony of Dissonance: Da es so sehr versucht Symphony zu emulieren, ist das Ergebnis durchaus gut, erinnert aber auch permanent daran, dass es in allen Belangen nicht ganz an die Standards des großen Konsolenbruders heranreichen kann.

Was schon bei der Handlung beginnt. Wir übernehmen wieder die Peitsche eines Belmonts, doch sieht Juste verdächtig nach Draculas Sohn aus. Er, sein Freund und eine Lady sind diesmal diejenigen, die Draculas Schloss betreten, und erneut gibt es einen Twist mit einem zweiten Schloss und verschiedene Enden, je nachdem ob Juste seinen Freund besiegt, oder wieder zur Vernunft bringen kann und es zur obligatorischen Auseinandersetzung mit Dracula kommt. Wer sich jetzt gespoilt fühlt… sorry, aber ehrlich, wir reden hier von Castlevania, da ist die Story eh standard und nur eine Entschuldigung das Dämonenschloss Draculas zu betreten. Und netterweise sind wir hier noch in der Zeit, in der Franchise-Fanboy Igarashi nicht versuchte, den Handlungen mehr Gewicht zu verleihen, in dem er ein Dutzend NPCs im Schloss stationiert, die einen permanent mit Belanglosigkeiten voll quatschen.

Für diejenigen, die noch neu im Hobby sind: Metroidvania ist ein Begriff, der zustande kam, als Symphony of the Night weg ging von den Bockschweren, linearen Stages und haargenauen Sprüngen der Classic Castlevanias, und stattdessen die Struktur von Super Metroid übernahm. Das riesige Schloss zu navigieren ist also nun ein integraler Bestandteil des Spieles, häufig sind mehrere Richtungen gleichzeitig für den Spieler offen, und führt das Auffinden neuer Gegenstände und Fähigkeiten dazu, vorige Blockaden überwinden zu können.

Und grundsätzlich ist es in Harmony of Dissonance gewohnt spaßig sich durch die Horden von mehr oder weniger bekannten Monstern aus Mythologie und B-Movies zu peitschen, Verstecke zu finden, und neue Gänge zu erforschen. Doch konnte ich mich nicht ganz des Gefühls erwehren, dass die Struktur des Schlosses hier etwas weniger gut durchdacht ist. Wie bereits erwähnt gibt es auch hier zwei miteinander verbundene Schlösser, nur das sie nicht mal clever genug waren, sie wie in Symphony zu spiegeln, sondern tatsächlich genau das exakt gleiche Layout nutzen. Und da sich das zweite bereits kurz nach Spielbeginn öffnet, ist es hier nur noch leichter den Überblick zu verlieren. Zumal Harmony besonders arm an Geheimnissen zu sein scheint, sondern häufig eher unbefriedigende Dead Ends aufweist. Dazu gibt es dann auch kein gutes Teleporter-System, da die hiesigen nur zwischen Schloss A und B wechseln, und schon gibt es mehr unnötiges Backtracking durch das halbe Schloss, als wirklich nötig sein müsste. Exploration ist sicherlich ein Bestandteil von Metroidvanias, aber im späteren Verlauf von Harmony stellt sich doch hin und wieder Frust ein, weil zum x-ten Mal durch Gebiete gelaufen wird, die bereits bekannt sind oder bekannt erscheinen.

Auch die Bosse sind leider nicht ganz so cool, wie sie sein könnten, da Harmony zu einfach ist. Und nicht auf die unterhaltsame Art wie Symphony of the Night, wo diverse Ausrüstung einen so unbesiegbar macht, dass es schon wieder spaßig ist, sofern die richtige Kombination bekannt ist. Harmony ist schlichtweg nur einfach, dafür müssen nicht mal die bessern Subwaffen-zu-Zauber-Kombinationen gefunden werden, sondern das Spamming von Kruzifix oder Heiligem Wasser an sich zwingt fast jeden Boss mit Leichtigkeit schon in die Knie, und nach ein paar Aufbesserungen hat Juste auch genug Herzen, um jene konstant einsetzen zu können.

Aber Mensch, was sieht Harmony of Dissonance gut aus. Erneut, an Symphony reicht der Handheld-Teil natürlich nicht heran, dennoch gibt es erstaunlich viel Detail in den Hintergründen des Schlosses, gespickt mit lauter Anleihen an frühere Serienvertreter, wenn man sie erspähen kann. Was die Musik angeht, so ist das Spiel schon umstrittener, trägt den Titel Dissonance angeblich zu recht. Ganz so schlimm finde ich es nicht, viele der Kompositionen sind immer noch recht catchy, das größere Problem ist hingegen häufig die blecherne Ausgabe des GBAs.

Fazit:
Castlevania: Harmony of Dissonance macht Spaß. Und das ist am Wichtigsten. Es gibt sicherlich bessere Metroidvanias, ohne überhaupt den ständigen Vergleich zum Titanen Symphony of the Night anstreben zu müssen. Doch für 5-8 Stunden guter Unterhaltung reicht auch Harmony komplett aus.

7 von 10 Punkten

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